Zeitungsverleger wehren sich gegen regionale Werbung von Seven-One

Freitag, 02. März 2012
Der Zeitungsverband kritisiert die Pläne von Seven-One Medida
Der Zeitungsverband kritisiert die Pläne von Seven-One Medida

Die Zeitungsverleger wehren sich gegen die Pläne von Pro Sieben Sat 1, regionale TV-Spots auszustrahlen. Vermarkter Seven-One Media hatte im November regionale Werbung in Baden-Württemberg getestet und dort statt Eigenwerbung Spots von Kabel BW ausgestrahlt. Mit dem Modell will Pro Sieben Sat 1 an die Printetats heran. Im Rahmen der Bilanz-Pressekonferenz diese Woche hatte CEO Thomas Ebeling nochmals sein Ziel bekräftigt, Print in diesem Jahr kräftig Marktanteile abzunehmen. Der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger wehrt sich nun gegen die Pläne von Pro Sieben Sat 1, die auch mit den Kabelnetzbetreibern Kabel Deutschland und Unity Media sprechen will, um das Modell deutschlandweit auszurollen. "Dies würde zu schweren Einbrüchen in den ohnehin hart umkämpften regionalen Werbemärkten führen", so ein BDZV-Sprecher.

Nicht nur die Zeitungen, auch die Radiosender sind von dem Modell  betroffen. Sowohl der Radioverband Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) als auch der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) haben sich HORIZONT gegenüber kritisch zu den Plänen des TV-Vermarkters geäußert.

Auch die Landesmedienanstalt LfK in Stuttgart und die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Meidenanstalten (ZAK) sind bereits mit dem Thema befasst. Sie haben Zweifel daran, dass das Auseinanderschalten der Werbeblöcke, wie es die Seven-One beabsichtigt, gesetzlich zulässig ist. Im Landesmediengesetz von Baden-Württemberg - und auch in anderen Bundesländern - fehlen jedoch explizite Aussagen zu regionaler und lokaler TV-Werbung. Der Grund: Als die Gesetze verabschiedet wurden, gab es die technische Möglichkeit noch nicht in der jetzigen Form. LfK und ZAK argumentieren daher nun mit der Zulassung für die Sender. Dort sei regionale Werbung nicht erlaubt. Die Institutionen und Pro Sieben Sat 1 befinden sich derzeit in "intensiven Gesprächen" zu dem Thema.

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Der BDZV verweist zudem auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1986. Demnach würden regionale und lokal ausgespielte Werbung nationaler Fernsehsender den Bestand und die Funktionsfähigkeit der Presse gefährden. Die Zeitungsverleger fordern die Gesetzgeber dazu auf, nun rasch zu handeln und den Rundfunkstaatsvertrag anzupassen. pap
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