Zeitungskrieg: DuMont gibt Details zu "Express Berlin" bekannt

Mittwoch, 14. April 2010
Axel Springer greift mit der B.Z. im Berliner Osten an, DuMont kontert
Axel Springer greift mit der B.Z. im Berliner Osten an, DuMont kontert

Jetzt ist es offiziell: Der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg (MDS) bestätigt gegenüber HORIZONT.NET die Gerüchte, dass noch im April "Express Berlin" auf den Markt kommen wird. Der Ableger des Kölner Boulevardblattes wird in den West-Bezirken der Hauptstadt erscheinen. Damit reagiert MDS auf den Vorstoß des Medienkonzerns Axel Springer, der ab dem kommenden Montag in drei Ost-Berzirken unter dem Label "B.Z. am Abend" eine abgespeckte Version der "B.Z." testet und so im Revier des MDS-Titel "Berliner Kurier" wildert. Das Layout von "Express Berlin" wird von der Farbe blau dominiert, um sich so von dem roten Rivalen "B.Z." deutlich abzugrenzen. Der Copypreis soll sich an dem von "B.Z. am Abend" orientieren. Wird Springer den Titel wie geplant für 40 Cent verkaufen, wird "Express Berlin" zum gleichen Preis erscheinen. Bestückt wird die Zeitung von der Redaktion des "Berliner Kurier". Um den Mehraufwand zu stemmen, wird das Team mit festen freien Journalisten aufgestockt.

Bereits nach der Wende tobte in Berlin ein erbitterter Zeitungskrieg. Gegenseitig versuchten die Verlage, sich mit immer niedrigeren Copypreisen und teuren Marketingaktionen Leser abzuringen. Ohne großen Erfolg: Noch immer zeichnen sich in der Hauptstadt deutliche Unterschiede im Zeitungskonsum zwischen Ost und West ab. Während Spingers "B.Z." im Westen dominiert, beherrscht der "Berliner Kurier" den Ostteil. bn

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Franz Sommerfeld, Vorstand Mediengruppe M. DuMont Schauberg, zum "Berliner Zeitungskrieg" sagt

Franz Sommerfeld
Franz Sommerfeld
Nachdem gestern bekannt wurde, dass Axel Springer "B.Z. am Abend" am kommenden Montag starten wird, geben Sie heute schon die Gegenmaßnahme bekannt. War diese Reaktion wirklich so spontan oder hatten Sie ohnehin Pläne in der Pipeline?
Franz Sommerfeld: Zum einen kam der Vorstoß von Axel Springer für uns nicht ganz so überraschend. Zum anderen ist es für uns natürlich eine Option , den "Express" in weiteren Städten auf den Markt  zu  bringen. Insofern sind wir nicht unvorbereitet.

Warum haben Sie die Pläne bisher nicht umgesetzt?
Wir glauben, dass nicht die richtige Zeit dafür ist, denn der Wettbewerb wird sich in Zukunft auf dem digitalen Markt abspielen. Einen neuen Papierkrieg zu entfachen, kostet eigentlich zu viel Energie, die man für andere Projekte, wie zum Beispiel die Entwicklung von Applikationen für das iPad, einsetzen sollte. Da Axel Springer aber nun den Vorstoß gemacht hat, wollen wir nicht tatenlos zusehen und  selbst testen, wo wir neue Lesergruppen erschließen können.

Müssen Sie sich auf das Spielchen von Springer einlassen?
Wir müssen nicht, aber wir nutzen die Chance, uns einmal ausschließlich auf  Westberlin zu konzentrieren, da die Ost-West-Trennung im Berliner Markt anhält, auch wenn wir solche Papierkriege nicht für besonders zeitgemäß halten.

Besteht nicht die Gefahr, dass man mit diesem Wettstreit unnötig Geld verbrennt?
Das kann ich Ihnen erst am Ende des Tages sagen.

Aber das Geld, was man dort investiert, steht nicht für andere Projekte zur Verfügung. 
Es handelt sich ja hier nicht um Investitionen, die uns in den Abgrund treiben werden. Es ist eher eine mentale Frage, was man erforscht und plant. Da gibt es wichtigere Baustellen wie iPad und Tablets. Außerdem ist es schwer nachzuvollziehen, warum man zu einem Zeitpunkt einen Preiskampf bei Printtiteln beginnt, zu dem erstmals ernsthafte Perspektiven zu erkennen sind, Inhalte und Angebote im Internet zu verkaufen.

Können Sie denn schon sagen, was Ihr Verlag für das iPad plant?
Wir sind in einer sehr intensiven Prüfungsphase. Noch im Laufe dieses Jahres wollen wir Tablet-Angbote für zwei Titel starten. Dabei wollen wir uns nicht nur auf das iPad beschränken, sondern auch mit anderen Herstellern zusammenarbeiten. So haben wir uns auch die Möglichkeiten des WePad  präsentieren lassen. Unser Anspruch ist hoch: Wir wollen nicht einfach nur eine PDF-Datei anbieten, sondern ein Angebot entwickeln, das die Stärken der neuen Technik - die Verknüpfung Text, Bild und vielleicht auch Film - nutzt. Besonders die ersten Käufer-Generationen sind technikaffin, deshalb wäre ein Schlicht-Angebot, wie es jetzt einzelne auf dem iPad angeboten haben, unseres Erachtens kontraproduktiv. Auf jeden Fall werden wir zu bezahlende Angebote anbieten. Interview: bn

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