Zeitschriftenverlage: Maßvolle Anzeigenpreise als Marktsignal

Mittwoch, 05. September 2007
Holger Busch
Holger Busch

Die Zeitschriftenverlage in Deutschland erhöhen ihre Anzeigenpreise 2008 um durchschnittlich 1,5 Prozent. Damit liegt die durchschnittliche Teuerungsrate unter der bislang prognostizierten Spanne. "Mit dieser maßvollen Tarifpolitik geben die Zeitschriften ein wichtiges Signal an die Werbungtreibenden und untermauern ihre starke Position im intermedialen Wettbewerb", erklärt Holger Busch, Geschäftsführer Marketing und Anzeigen beim VDZ in Berlin.

Die "seit Jahren zurückhaltende Preispolitik der Verlage" wertet Busch als Ausdruck der großen Angebotsvielfalt und des intensiven Wettbewerbs im deutschen Zeitschriftenmarkt. Einige Titel versuchen, ihre individuellen Leistungssteigerungen durch überdurchschnittliche Preiserhöhungen besser zu kapitalisieren. So erhöht das bisherige Abonnenten-Supplement "Kultur Spiegel", das ab kommendem Jahr mit entsprechend höherer Verbreitung monatlich der Gesamtauflage des "Spiegel" beiliegt, seinen Seitenpreis um 51,2 Prozent auf künftig 22.500 Euro. "Zeit Campus" passt seine Preise nach der Einführungsphase ebenfalls nach oben an - um 49,5 Prozent auf künftig 14.200 Euro. Auch Bauers "Intouch" (plus 17,3 Prozent auf 14.261 Euro), Gruner + Jahrs "Neon" (plus 16,2 Prozent auf 16.500 Euro) und Burdas "Instyle" (plus 9,1 Prozent auf 23.900 Euro) wollen ihre Performance besser in Werbeumsatz verwandeln. Neueinsteiger "Vanity Fair" erhöht seinen Seitenpreis um 1,7 Prozent, "Park Avenue" belässt es bei l7.000 Euro. Auffällige Preissenkungen sind nach den bisher vorliegenden VDZ-Zahlen dagegen kaum auszumachen. Eine der wenigen Ausnahmen ist "TV Klar": Bauers Programmtitel senkt mit knapp 23 Prozent auf künftig 16.757 Euro seinen Seitenpreis deutlich.

Dass auch andere Zeitschriften mit eher sinkender Performance ihren Preis nicht nach unten anpassen, begründet Andreas Schilling, oberster Anzeigenvermarkter bei Burda, mit Blick auf "Focus", "Bunte" und "Freundin" mit der Bindung und Glaubwürdigkeit als "Mehrwert starker Marken". Schillings zweites Argument: "Wenn wir die Gewissheit hätten, dass der wirtschaftliche Erfolg steigt, wenn die Preise sinken, würden wir das tun. Aber so reagiert der Markt heute nicht."

Im kommenden Jahr werden 160 Zeitschriftentitel saisonal differenzierte Anzeigenpreise berechnen, im vergangenen Premierenjahr waren es 157. "Zudem ist wie in den Vorjahren eine zunehmende Angleichung der Preise von Farbanzeigen und Schwarz-Weiß-Anzeigen feststellbar", so Busch. Fast 90 Prozent der Anzeigen seien mittlerweile vierfarbig. rp

Mehr dazu lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 36/2007 vom 6. September.

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