Zeit-Online-Chef prophezeit Ende von Tageszeitungen / HORIZONT Voting

Mittwoch, 09. April 2008
Wolfgang Blau sieht schwarz für Print
Wolfgang Blau sieht schwarz für Print

Pessimismus fürs Papier: Keine große Zukunft billigt Wolfgang Blau, seit März Chefredakteur von Zeit Online, den gedruckten Tageszeitungen zu. "Wir werden es bald erleben, dass sich große deutsche Tageszeitungen für einen wöchentlichen Erscheinungsrhythmus entscheiden", sagte Blau bei einer Podiumsdiskussion des dpa-PR-Tochterunternehmens News Aktuell am Dienstagabend in Hamburg. Auf diese Weise - stundenaktuelle News im Internet, Exklusives und Hintergründe wöchentlich in Print - könnten die bisherigen Tageszeitungsverlage angestammten Wochentiteln wie "Zeit" und "Spiegel" on- und offline bald mehr Konkurrenz machen als bisher. Blau sieht dieses Szenario offenbar als unausweichliche Marktbereinigung an - und die hierzulande gemeinhin vielgelobte Titelvielfalt in einem anderen Licht: "In Deutschland gibt es zu viele Tageszeitungen. An dieser Wahrheit kommen wir nicht vorbei."

Auch die Journalisten selber müssten sich in der Web-2.0-Medienwelt verändern, so Blau: "Wir werden uns weiterentwickeln und mehr Transparenz über uns schaffen müssen, um den Mehrwert unserer professionellen journalistischen Arbeit zu belegen." Diese Transparenz könnte laut Blau etwa dadurch erreicht werden, dass Journalisten den Lesern und Nutzern offen legen, wer sie - etwa für Vorträge - wie hoch bezahlt, was sie regulär verdienen, welche Aktien sie besitzen und in welchen politischen Parteien sie Mitglied sind.
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