ZDF will Privatsendern mit Online-Videoplattform Konkurrenz machen

Donnerstag, 30. September 2010
Neben der Mediathek will das ZDF auch eine kostenpflichtige VoD-Plattform etablieren
Neben der Mediathek will das ZDF auch eine kostenpflichtige VoD-Plattform etablieren

Das ZDF plant eine kostenpflichtige Video-on-Demand-Plattform. Laut den Eckpunkten der vertraglichen Zusammenarbeit zwischen dem Sender und der Allianz Deutscher Produzenten "beabsichtigen ZDF und Allianz den Aufbau und Betrieb einer gemeinsamen Plattform für die kommerzielle On-Demand-Verwertung von Auftragsproduktionen". Diese soll auch offen für andere Partner sein, betont ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut gegenüber der "Financial Times Deutschland". Auf ein Geschäftsmodell habe man sich zwar noch nicht geeinigt, jedoch wäre "Video-on-Demand ohne Einnahmen" nicht sinnvoll, so Bellut. Mit diesem Vorhaben dürfte die Diskussionen um die Online-Aktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen neu angestachelt werden. Die Sender müssen sich auf Protest der Privaten einstellen, wenn sie mit gebührenfinanzierten Inhalten auf einem weiteren Vertriebswert Erlöse generieren möchten. Laut Rundfunkstaatsvertrag ist dem ZDF selbst das Betreiben eines kostenpflichtigen VoD-Angebots nicht erlaubt. Allerdings könnte dies von der Tochter ZDF Enterprises, die auch schon für die Vermarktung von Produktionen auf DVD, im Ausland und in Internet zuständig ist, übernommen werden.

Auch eine gemeinsam gegründete Gesellschaft von ZDF Enterprises und der Produzentenallianz ist denkbar. Die Mediatheken von ARD und ZDF bieten bereits einen Großteil des Programms zum kostenfreien Anschauen an, meist jedoch nur sieben Tage nach Ausstrahlung. Mit einer VoD-Plattform könnten die Sender ihre Produktionen längerfristig bereitstellen – und würden so den Angeboten der Privaten Konkurrenz machen.

Die Privatsender haben mit Angeboten wie RTLnow schon vorgelegt
Die Privatsender haben mit Angeboten wie RTLnow schon vorgelegt
Die Privatsender haben mit RTLnow und Maxdome von Pro Sieben Sat 1 bereits kostenpflichtige VoD-Plattformen etabliert: Sendungen sowie Spielfilme werden dort online gestellt und können vom Nutzer per Stream angeschaut werden. Dafür wird im Regelfall eine Gebühr fällig, einige Sendungen können jedoch auch kostenfrei angesehen werden, meist eine Woche nach Ausstrahlung, danach gehen auch sie in das kostenpflichtige Angebot über.

Im August haben die Konzerne RTL und Pro Sieben Sat 1 Pläne für eine gemeinsamen TV-Plattform bei der EU-Kommission vorgelegt, die diese gerade an die deutsche und österreichische Kartellbehörden verwiesen haben. Sollte das Projekt zustande können, sollen sich alle interessierten Sender daran beteiligen können – auch den öffentlich-rechtlichen. Die Inhalte sollen den Nutzern sieben Tage nach Ausstrahlung kostenfrei zur Verfügung stehen. Mit einer solchen Plattform wollen die Sender mehr Übersicht in die Vielfalt der Online-Videoplattformen bringen und der Konkurrenz aus dem Ausland zuvorkommen. In den USA gibt es mit Hulu bereits ein vergleichbares Angebot, an dem die Konzerne NBC Universal, News Corp. und Disney beteiligt sind. Über eine Ausweitung nach Europa wird immer wieder spekuliert. sw
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