ZDF und ARD sind im WM-Poker einen Schritt weiter gekommen

Mittwoch, 15. Mai 2002

Die Öffentlich-Rechtlichen sind im Poker um die digitalen Übertragungsrechte der WM 2002 einen Schritt weiter. Nach Angaben von ZDF-Intendant Markus Schächter und ARD-Chef Fritz Pleitgen hat Rechteinhaber Kirch Media einer technischen Lösung, die die Exklusivrechte des Pay-TV-Kanals Via Digital in Spanien nicht angreifen würde, am heutigen Mittwoch zugestimmt. So könnten die rund 1 Million betroffenen deutschen Zuschauer, die das Programm digital empfangen, die WM doch noch live am Bildschirm verfolgen.

"Wir sind sehr zuversichtlich, dass alles glatt geht. Jetzt können wir nur noch hoffen, dass sich Kirch bis zu Beginn der WM nicht wieder anders überlegt". Bei der angestrebten Lösung handelt es sich um einen zusätzlich eingespeisten Kanal, der über Astra empfangen wird und per Suchlauf und über das Codewort "WM 2002" freigeschaltet werden kann. Die Empfängertechnologie in Spanien ist für dieses Verfahren nicht kompatibel. Somit sind die zahlungspflichtigen Via-Digital-Abonnenten von der Übertragung ausgeschlossen.

Über die Finanzierung des Projekts wurde laut Schächter und Pleitgen bisher noch nicht gesprochen. Auch mit Via Digital haben die Öffentlich-Rechtlichen bisher noch nicht verhandelt. "Die Spanier werden unser Angebot nochmal genau überprüfen, aber wir haben keine Bedenken, dass irgendwelche Einsprüche erhoben werden, da wir ihnen mit diesem Verfahren eine sehr sichere Methode bieten", sagt Pleitgen.

In den Verhandlungen für die WM 2006 sind die beiden Sender bisher noch nicht weiter gekommen. ARD und ZDF wollen weiterhin die Übertragungsrechte für alle 64 Spiele von Kirch Media erwerben. "Für Verhandlungen sind wir ab sofort bereit, allerdings nicht zu den uns gebotenen Preisen", erklärt Pleitgen. In Branchenkreisen wurde bisher von einem Betrag von rund 500 Millionen Euro gesprochen. "Wir akzeptieren aber nur eine Summe, die deutlich unter diesem Preis liegt", sagt Schächter.
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