ZDF-Chefredakteur Brender: Politiker halten sich Inoffizielle Mitarbeiter

Montag, 22. Februar 2010
Brender: "Dass mit dem Gewürge nun Schluss ist"
Brender: "Dass mit dem Gewürge nun Schluss ist"

Der noch amtierende ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender rechnet im "Spiegel"-Interview mit den Politikern ab und deren ständigen Versuchen, Einfluss auf die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender zu nehmen. Seine Wiederwahl war im Herbst vergangenen Jahres von einer Mehrzahl von CDU-Politikern im ZDF-Verwaltungsrat blockiert worden. An der Spitze stand Hessens Ministerpräsident Roland Koch. Laut Brender gebe es Staatskanzleien, die  "bei den Sendeanstalten ihres Einflussgebiets anrufen und loben oder tadeln - je nach Gefälligkeit der Berichterstattung". Auch die Regierungssprecher hätten "immer mal versucht, die Berichterstattung zu beeinflussen", sagt Brender. Er habe diese dann aufgefordert, ihre Kritik schriftlich einzureichen. Dies sei jedoch in der Regel unterblieben. "Die andere Seite hinterlässt ungern Spuren".

Brender berichtet zudem von einem fein gesponnenen System von Spitzeln, die Interna aus dem Sender an Politiker weitergereicht hätten. Es lohne sich "auch gegen Inoffizielle Mitarbeiter, wirklich vergleichbar mit den IM der DDR", zu kämpfen, "die sich die großen Parteien in einem Sender wie dem ZDF halten". Er habe versucht, diese "Spione" wenigstens von Posten "mit echter Verantwortung fernzuhalten".

Von der Unterstützung, die er während der Diskussionen um seine Wiederwahl, von vielen, auch prominenten ZDF-Mitarbeitern hinter erhalten habe, sei er "sehr angerührt" gewesen. Brender galt intern nicht gerade als einfacher Chef. "Ich bin kein Diplomat und kein wandelnder Vermittlungsaussschuss", sagt er dem "Spiegel".

Sollten die Grünen im Nachgang tatsächlich das Bundesverfassungsgericht anrufen, um die Rechtmäßigkeit der Entscheidung zu prüfen, "hätte die Debatte um meine Person wenigstens einen Sinn gehabt". Brender erhofft sich von einem solchen Gang eine "klare Begrenzung des Politik- und Regierungseinflusses auf die Sender."

Brender selbst will sich in Ruhe die beruflichen Angebote ansehen, die er für die Zeit nach seiner Aufgabe als ZDF-Chefredakteur hat. Er sei erleichtert, dass es nun zu Ende gehe. "Dass mit dem Gewürge um meine Person nun Schluss ist, dass sich all diese unterirdischen Verknotungen auflösen - das gibt mir persönlich meine Freiheit zurück". pap
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