"Yps" im HORIZONT-Check: In die Nostalgie-Falle getappt

Donnerstag, 11. Oktober 2012
Knallig: "Yps" anno 2012
Knallig: "Yps" anno 2012

Als der Verlag Egmont Ehapa bekannt gab, das Kult-Heft "Yps" wiederzubeleben, war die Resonanz bei der alten Fangemeinde überwältigend. Doch in die Begeisterung über die Neuauflage mischte sich schon damals eine gute Portion Skepsis. "Yps" als Lifestyle-Magazin für Erwachsene? Kann das gut gehen? Seit heute liegt die Neuauflage am Kiosk und bemüht eifrig die eigene Historie. Das Magazin schwelgt ausgiebig in Erinnerungen – und schafft dabei leider nicht ganz den Sprung in die Gegenwart. Das neue "Yps" soll "die Themen von damals inhaltlich und optisch in die jetzige Lebenswelt der Leser übersetzen", umschrieb der Verlag Egmont Ehapa das redaktionelle Konzept bei der Ankündigung des Comebacks. Was damals noch etwas kryptisch klang, erschließt sich beim Blick in das neue Heft. Viele Geschichten drehen sich um Themen, die die Leser von damals beschäftigten: Der erste eigene Computer, das Rückbankdrücken im Auto der Eltern, der Traum von aufregenden Berufen wie Agent oder Dinosaurier-Forscher.

Einige dieser Ausflüge in die Vergangenheit bieten durchaus kurzweiliges Lesevergnügen: Bei Geschichten über die ersten Heimcomputer und Spielekonsolen oder die beliebtesten Familienkutschen der 70er und 80er Jahre kann man wunderbar in Erinnerungen schwelgen. Promis wie Michi Beck und Thomas D von den Fantastischen Vier, Oliver Korritke oder Aleks Bechtel erinnern sich an ihre Lieblings-Gimmicks und ehemalige "Yps"-Leser berichten, wie die Urzeit-Krebse sie zu Hobby-Saurierforschern gemacht haben. Ebenfalls schön umgesetzt ist der Vergleich von Produkten aus Kinderzeiten mit ihren heutigen Pendants. Sogar direkt aus den alten "Yps"-Heften übernommen wurden Original-Comics wie "Yinni + Yan" und "Hombre". Und natürlich sind auch die unvermeidlichen Urzeitkrebse wieder als Gimmick mit dabei.

Im Vergleich zu den Beiträgen mit historischem Bezug sind die Artikel zu aktuellen Themen in der Unterzahl – und fallen noch dazu deutlich ab: Die Modestrecke für junggebliebene Thirtysomethings, in der zu allem Überfluss auch noch Adiletten angepriesen werden, wirkt in "Yps" ebenso wie ein Fremdkörper wie ein Gastbeitrag von Rüdiger Nehberg. Die besten Zaubertricks für die nächste langweilige Party passen zwar schon eher zum Markenkern, zielen aber wohl doch leicht an der Zielgruppe der 30- bis 45-Jährigen vorbei.

Am meisten Spaß macht die neue "Yps" also da, wo sie hemmungslos nostalgisch ist. Hin und wieder stellt sich beim Lesen das Gefühl ein, als würde man in einem alten Fotoalbum aus Kindertagen blättern. Das ist zwar ganz lustig – aber ob die ehemaligen Leser alle sechs Monate für immerhin 5,90 Euro in die eigene Kindheit abtauchen wollen? Da kann man sich auch gleich wieder die alten Hefte aus dem Keller holen.

Auch das Layout ist noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen. Trotz der bewussten Bezüge auf die alten Hefte wirkt das Layout teilweise recht altbacken. Viele Seiten sind überladen, teilweise springen knallbunte Fonds ins Auge, verschiedene Schriftarten wechseln sich ab. Insgesamt fehlt dem Layout ein wenig der rote Faden. Das bunte Cover ohne tragendes Bild ist immerhin mutig und dürfte am Kiosk aus der Masse herausstechen. Dort muss sich das neue Konzept von "Yps" ab heute beweisen. dh

Die neue "Yps" schwelgt in Erinnerungen an früher
Die neue "Yps" schwelgt in Erinnerungen an früher
Meist gelesen
stats