Yahoo verklagt "Schwarzfahrer" Facebook

Dienstag, 13. März 2012
Yahoo - hier die Zentrale im kalifornsichen Sunnyvale - zerrt Facebook vor Gericht
Yahoo - hier die Zentrale im kalifornsichen Sunnyvale - zerrt Facebook vor Gericht


Wer hat's erfunden? Nach Meinung von Yahoo nutzt Facebook unrechtmäßig zahlreiche Erfindungen, die zuerst von dem kalifornischen Internetpionier entwickelt wurden. Deswegen hat Yahoo nun eine Patentklage gegen Facebook eingereicht. Laut "New York Times" geht es in der Klageschrift, die seit Montag beim Bezirksgericht in San Jose in Kalifornien liegt, um Yahoo-Patente aus den Jahren 1999 bis 2010. Nachrichtendienst, Newsstream und Kommentarfunktion seien demnach abgekupfert. Und nicht nur das: Zahlreiche Werbeformen auf Facebook seien von Yahoo erfunden und patentiert worden, so etwa Premium Video Comment Ad. Auch das Abrechnungsmodell für die Anzeigen ("Pay-Per-Click") basiere auf Yahoo-Technologie, schreiben die Anwälte. Facebook sei, so die Formulierung in dem anwaltlichen Schreiben, jahrelang "schwarz gefahren". Insgesamt beanstandet Yahoo die Verletzung von 10 Patenten. Der Schaden sei für Yahoo mittlerweile so groß, dass er mit nachträglichen Gebührenzahlungen seitens Facebook nicht mehr abgegolten werden könne. (Die gesamte Klageschrift in englischer Sprache gibt es hier).

"Wir sind zuversichtlich, dass wir gewinnen", zitiert die "NYT" aus einem Yahoo-Statement. Ein Unternehmenssprecher von Facebook sagte zur selben Zeitung: "Wir sind enttäuscht, dass mit Yahoo ein langjähriger Geschäftspartner und Profiteuer von der Zusammenarbeit mit Facebook nun ein Gerichtsverfahren anstrengt." Man habe zuerst aus den Medien davon erfahren. Der Sprecher kündigte an, dass Facebook sich energisch zur Wehr setzen werde.

Facebook befindet sich derzeit in den Vorbereitungen für einen Börsengang, der nach Expertenmeinungen im 2. Quartal dieses Jahres erfolgen könnte. Kolportiert wird ein Börsenwert zwischen 75 und 100 Milliarden Dollar. Um den Unternehmenswert vor diesem wichtigen Schritt nicht zu gefährden, dürfte Facebook an einer möglichst gütlichen Einigung mit Yahoo gelegen sein. Yahoo seinerseits liebäugelt wohl damit, einen Coup aus dem Jahre 2004 zu wiederholen. Damals verleibte sich der Internetpionier ein Unternehmen ein, das eine Patentklage gegen Google laufen hatte. Als Google kurz danach an die Börse ging, erhielt Yahoo ein Aktienpaket im Wert von 230 Millionen Dollar. ire
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