Yahoo: Last Exit Microsoft?

Donnerstag, 20. Oktober 2011
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So schnell gibt Microsoft nicht auf: US-Medienberichten will der Software-Konzern im zweiten Anlauf den Webpionier übernehmen. Yahoo würde das gut tun. Zur Erinnerung: 45 Milliarden Dollar hatte Microsoft-Chef Steve Ballmer 2008 für die Übernahme von Yahoo aufgeboten. Doch Jerry Yang, Gründer des Internet-Pioniers, zeigte dem Microsoft-Boss die kalte Schulter. Stattdessen sollte Carol Bartz Yahoo aus der Krise führen. Mit dem bekannten Ergebnis: Im September musste Bartz sang- und klanglos ihren Hut nehmen, die Gerüchteküche begann zu brodeln.

Dass es mit Yahoo nicht so weiter gehen kann, zeichnete sich in diesem Jahr besonders drastisch ab. Im Juli hatten wir konstatiert: „Es ist ein Kunststück der ganz besonderen Art, wenn man im Jahr 2011 mit Display-Werbung nicht deutlich, also zweistellig, zulegt. US-Marktführer Yahoo ist dieses zweifelhafte Zauberwerk gelungen."

Bartz hatte es nicht geschafft, den schlingernden Milliarden-Konzern auf den Wachstumspfad zurück zu führen. So sind die Quartalsumsätze von Yahoo seit 2007 von mehr als 1,8 Milliarden Dollar auf zuletzt nur noch 1,2 Milliarden Dollar zurückgegangen. Im wichtigen US-Markt hat Yahoo trotz der Werbe-Allianz mit Microsoft gegenüber Facebook deutlich eingebüßt: So war das Social Network im 1. Quartal 2011 mit 346 Milliarden Ad-Impressions und einem Marktanteil von gut 31 Prozent der mit Abstand größte Display-Advertiser in den USA. Yahoo kam mit 112 Milliarden Ad-Impressions gerade mal auf einen Marktanteil von 10,1 Prozent. Die Zahlen sind  für Yahoo deshalb so bitter, weil das Unternehmen eigentlich über eine solide „Machtbasis" verfügt: 700 Millionen Menschen nutzen Yahoo, 280 Millionen immerhin die Yahoos Mail-Services. Doch im Gegensatz zu den neuen Big Playern Google und Facebook hat es Yahoo bislang nicht ausreichend vermocht, attraktive Angebote für die Werbeindustrie zu schnüren. Die Suchmaschinentechnologie hat das als Suchmaschine und Webkatalog gestartete Unternehmen zugunsten von Microsoft Bings aufgegeben. Aber es gibt auch Hoffnungsschimmer. Zwar ging der Umsatz auch im dritten Quartal um knapp fünf Prozent auf 1,07 Milliarden Dollar zurück - aber das hatten Analysten ohnehin erwartet. Die gute Nachricht: Das vierte Quartal will Yahoo mit Erlösen zwischen 1,12 und 1,23 Milliarden Dollar abschließen.

An der Börse ist Yahoo derzeit 20 Milliarden Dollar wert - weniger als halb so viel, wie Microsoft bei der ersten Übernahme-Versuch auszugeben bereit war. Microsoft, so berichten US-Medien, will sich zur Übernahme mit Investoren zusammentun. Wall Street Journal zufolge will Microsoft „mehrere Milliarden Dollar" bereit stellen, den Rest sollen Finanzinvestoren um Silver Lake Partners übernehmen. Eine Übernahme könnte ein Befreiungsschlag für Yahoo sein - und für mehr Konkurrenz unter den Web-Giganten sorgen. vs

 

 

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