Yahoo: Der peinliche Abgang des nächsten CEO

Montag, 14. Mai 2012
Kreativ den Lebenslauf frisiert: Buchhalter und Yahoo-CEO Thompson
Kreativ den Lebenslauf frisiert: Buchhalter und Yahoo-CEO Thompson

Warum hat der Chef eines Internet-Konzerns es nötig, sich mit einem gefakten Lebenslauf als CEO zu bewerben? Das hat nicht nur Investor Daniel Loeb den Yahoo-CEO Scott Thompson gefragt. Eine Antwort ist Thompson bislang schuldig geblieben. Seinen Job ist er in jedem Fall los - und Yahoo den nächsen Manager, der den Konzern aus der Krise heraus führen sollte. Wenn Thompson sich auf der englischsprachigen Wikipedia-Seite mit Herrn Guttenberg beschäftigt hätte, wäre dem hochgelobten Ex-Paypal-Chef vielleicht klar geworden, was alles passieren kann, wenn man manche Dinge im Leben(slauf) nicht so genau nimmt. Yahoo-Investor Loeb hatte aufgedeckt, dass Thompsons Lebenslauf einen Informatik-Universitätsabschluß enthält. Dass der gelernte Buchhalter Thompson seinen Lebenslauf frisiert hat, wird ihm nun zum Verhängnis. Thompson hatte zwar beteuert, dass es sich dabei um ein Versehen gehandelt habe. Dumm nur, dass der geschönte Lebenslauf schon zu seiner Ebay-Zeit existierte.

Die peinliche Affäre ist für Yahoo in mehrfacher Hinsicht bitter. Investor Loeb erhält einen Sitz im Verwaltungsrat, der zudem mit Managern  aus dem Loeb-Umfeld und des Hedgefonds Third Point verändert wird. Neuer Chef wird - interimistisch - Ross Levinsohn, bislang oberster Anzeigenverkäufer des kriselnden Webpioniers, der sich in einer Mail an die Mitarbeiter freut, ICEO zu sein, Interim Chief Executive Officer. Dramatisch ist die Personalposse an der Führungsspitze deshalb, weil sie den Konzern nicght zur Ruhe kommen lässt. Seit geraumer Zeit verwirren Personalrochaden Anleger, Nutzer und Werbeindustrie. Eine Strategie, wie der Internetpionier den Großkonzernen des Web 2.0 - Google und Facebook - begegnen will, ist bislang nur in Ansätzen zu erkennen. Unter der Thompson-Ägide konnte Yahoo zum ersten Mal seit vier Jahren im ersten Quartal wieder einen Gewinnzuwachs erwirtschaften. Zudem hatte Thompson dem Unternehmen einen strikten Sparkurs, auch beim Personal, verordnet.


Thompson war Nachfolger der einstigen Hoffnungsträgerin Carol Bartz. Die war unter schrillen Begleittönen entlassen worden, weil sie den Umsatzrückgang bei Yahoo nicht stoppen konnte. vs
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