"X Factor"-Jurorin Sarah Connor: "Mir ist die Quote erst mal egal"

Donnerstag, 26. Juli 2012
Sängerin Sarah Connor (Foto: VOX/Det Kempke)
Sängerin Sarah Connor (Foto: VOX/Det Kempke)

Sie ist von Anfang an dabei - und wird von ihren Mitjuroren auch gerne mal "Mutti" genannt: Sängerin Sarah Connor ist dienstältestes Mitglied der "X Factor"-Jury und damit eine der wenigen Konstanten der dritten Staffel. HORIZONT.NET hat mit ihr über ihre neuen Kollegen - darunter auch Scooter-Frontmann H.P. Baxxter, dessen Interview Sie hier finden - , die Positionierung von "X Factor" und ihre Erwartungen an die Einschaltquote gesprochen - und erfahren, welche Pläne die 32-Jährige für ihre eigene Gesangskarriere hat. Sie sind noch als einziges ursprüngliches Jurymitglied bei "X Factor" übrig geblieben. Was hat sich seit der ersten Staffel verändert?
Sarah Connor: Es hat sich ganz viel verändert, allerdings habe ich für mich von der ersten zur zweiten Staffel nicht nur positive Entwicklungen gesehen. Deshalb war auch meine Bedingung, dass sich einiges grundlegend ändern muss, wenn ich noch eine weitere Staffel machen soll. Allerdings glaube ich nach wie vor sehr an das Format an sich und bin überzeugt davon, dass sowohl unsere Show als auch das Fernsehen allgemein eine starke Plattform ist, um neue Künstler und Talente zu finden.

Wie genau sahen Ihre Bedingungen denn aus?
Das ist eine Sache zwischen Vox und mir, aber ich denke, man wird die Veränderungen in der neuen Staffel sehen. Das war auch nicht nur meine Idee, sondern wurde von den Entscheidern von Vox zusammen getragen. Es ist ganz klar, dass wir weiterhin auf Qualität setzen müssen. Ich war in Deutschland die Erste, die als Sängerin und Künstlerin mit dem Anspruch angetreten ist, etwas zu verändern, ebenso wie meine Jurykollegen George Glueck und Till Brönner. Und ich freue mich, dass mittlerweile andere mitziehen und es auch andere Formate gibt, in denen sich das Format Castingshow ein bisschen von dem Ruf erholt, den es bisher hatte.

Aber um in der Masse an Castingshows noch herauszustechen, braucht es eine klare Positionierung. Am Anfang war das sicher noch das Qualitätsmerkmal, …
… das "X Factor" übrigens zuerst hatte …

Jurorin Sarah Connor: "Wir verzichten auf den Trash-Faktor."
Jurorin Sarah Connor: "Wir verzichten auf den Trash-Faktor."
Aber darauf setzt ja zum Beispiel jetzt auch "The Voice of Germany" (Pro Sieben/Sat 1).
Wir waren die ersten, die gesagt haben: Wir verzichten auf den Trash-Faktor, auf das Kompromittieren von Künstlern, auf diese persönlichen Geschichten, wo wir Menschen bildlich gesprochen so ausziehen, dass sie hinterher kaum zu ihrem normalen Leben zurückkehren können. Das war gut und mutig von Vox und auch die Bedingung von mir, in der ersten Staffel mitzumachen. Davon dürfen wir auf keinen Fall abweichen. Deshalb ist mein Anspruch und meine Bedingung für dieses Jahr ganz klar: Die Sendung muss einfach einen ganz hohen Qualitätsanspruch haben und da ist mir die Quote erst mal egal.

Von wegen Quote: Die Marktanteile der zweiten Staffel waren ja eher mau. Jetzt gibt es eine neue Jury, einen neuen Sendetag und wieder Starthilfe von RTL. Was versprechen Sie sich davon?
Ich freue mich natürlich, wenn das Format erfolgreich ist, aber das ist nicht meine Baustelle. Ich vertraue da voll auf die Kollegen von Vox, die die Entscheidungen treffen. Die Programmierung ist schwierig und Konkurrenz gibt es immer. Aber wir müssen einfach eine Sendung machen, bei der die Leute sagen: Das ist so gut, ich schau mir das an! Letztendlich ist das sowieso Geschmackssache, wofür sich die Zuschauer interessieren und wo sie hängen bleiben.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Sarah Connor von ihren neuen Jurykollegen hält, und warum Castingshow-Sieger nicht automatisch zu Stars werden.

Sarah Connor bei den "X Factor"-Castings (Foto: VOX/Jörg Carstensen)
Sarah Connor bei den "X Factor"-Castings (Foto: VOX/Jörg Carstensen)
HORIZONT.NET: Wie spielt denn die neue Jury - bestehend aus Scooter-Frontmann H. P. Baxxter, Guano-Apes-Sängerin Sandra Nasic und Produzent Moses Pelham - bei "X Factor" mit rein?
Die Arbeit mit den Juroren macht total Spaß, es gibt einen sehr konstruktiven Austausch und sehr engagierte Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten. Im Großen und Ganzen ist es ein tolles Arbeiten an allen Fronten.

In der Jury sitzen ja die Vertreter der unterschiedlichsten Genres – von Pop über Rock bis hin zu Hip Hop und House. Wirkt sich das auch auf die Zusammenarbeit aus?
Klar. Sehr unterhaltsam ist es zum Beispiel, wenn H.P. Baxxter aufspringt bei jemandem, der uns anderen Juroren nicht so begeistert, oder wenn sich Sandra Nasic bei den Bands total ins Zeug legt. Ich glaube, dass es gut ist, wenn verschiedene Genres zusammenkommen, weil es die Show sehr bunt und die Diskussion sehr interessant und kontrovers macht.

Wie wichtig ist das Coaching, bei dem die Juroren tatsächlich mit den Kandidaten zusammenarbeiten?
Wir haben zwischen dem Juryhaus im Juli und den Liveshows im November Zeit, um eine Art Crashkurs mit den Künstlern zu machen: Wir können ihnen musikalische Hilfen geben, mit ihnen Sounds, Songs und Musikrichtungen ausprobieren. Wir möchten Künstler finden und entdecken, wir möchten sie nicht machen. Man kann jedem irgendetwas überstülpen, das dann auch kurz funktioniert. Aber das wollen wir nicht. Stattdessen versuchen wir, mit den Künstlern zusammen ein Konzept zu erarbeiten. Wenn sie eigene Songs schreiben, umso besser, und wenn diese Songs auch noch gut sind, ist das ein Traumszenario. Und wenn jemand keine eigenen Songs hat, helfen wir ihm dabei, sein Profil zu schärfen.

So profilstark erschienen die Gewinner der letzten beiden Staffeln jedoch nicht.
Für Edita und David Pfeffer, die Sieger der ersten beiden Staffeln, war nicht ich verantwortlich, sondern Till Brönner – und der ist jetzt nicht mehr dabei. Ich für meinen Teil arbeite mit den Künstlern, die ich in den ersten beiden Staffeln betreut habe, weiterhin zusammen – sowohl mit Mati Gavriel als auch mit Nica & Joe. Beide Acts halten sich immer noch, auch wenn man sie nicht jeden Tag im Fernsehen sieht. Mit Nica & Joe arbeite ich zurzeit an einem zweiten Album. Ich bin mir sicher, von den beiden werden wir noch viel zu hören bekommen.

Aber sicherlich kann sich künftig auch bei der Betreuung im Anschluss an die Sendung sowie bei der Beratung einiges ändern, damit auch die Sieger im Musikgeschäft erfolgreich bleiben können. Hinterher gibt es immer viele Stimmen, die sagen, der Charterfolg ist bei den Siegern ausgeblieben. Aber nennen Sie mir eine Castingshow, wo jemand wirklich langfristig Erfolg hatte.

Da gab es die No Angels aus der ersten "Popstars"-Staffel.
Stimmt, das waren die allerersten, das war noch der erste Hype und die haben auch viele Dinge richtig und gut gemacht. Trotzdem wird heute einfach so erwartet, dass jemand, der ein paar Wochen im Fernsehen ist, hinterher jahrelang Platten verkauft. Das funktioniert so aber nicht. Nach dem Finale, wenn der erste Impuls der Show abgeklungen ist, zeigt sich eigentlich erst, ob man wirklich jemanden gefunden hat, der Menschen mit seiner Musik begeistern kann, oder ob es nur ein Fernsehphänomen war.

Aber genau solche Phänomene werden doch bei Castingshows kreiert.
Egal ob bei "The Voice" oder "DSDS", es gibt immer den ersten Hype. Trotzdem haben wir – wenn nicht sogar noch mehr als alle andere – einen hohen Anspruch an Talent. Natürlich wünschen wir uns alle jemanden, der hinterher rausgeht und am besten ein "Thriller"-Album macht, aber ganz viel muss auch vom Künstler selbst kommen. Die Kunst ist es, jemanden zu finden, der mit seiner Musik begeistern kann. Und gleichzeitig machen wir auch noch Fernsehen – also eine Show, die unterhalten soll. Fakt ist: Eine lange erfolgreiche Karriere im Musikgeschäft wird einem auch bei einer Castingshow nicht geschenkt. Das ist harte, sehr harte Arbeit. Auch nach dem Finale.

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Mehr über die neue Staffel von "X Factor" und den Kampf der Castingshows lesen Sie in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 30/2012 vom 26.07.2012

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Von Ihnen selbst hat man musikalisch gesehen allerdings in letzter Zeit eher wenig gehört. Wird aus der Musikerin Sarah Connor nun ein reines Fernsehgesicht?
Alles zusammen geht einfach nicht. Mir fehlt die Musik, die Bühne und meine Fans. Dennoch: In der ersten Staffel von "X Factor" habe ich parallel mein letztes Album veröffentlicht. Das endete im kompletten Chaos. Zeitlich fast unmöglich. Ich habe jetzt wieder angefangen, im Studio zu arbeiten und Songs zu schreiben. Aber wenn ich "X Factor" mache, dann mache ich das auch richtig. Und meiner neuen Platte werde ich mich dann widmen, sobald die aktuelle Staffel abgedreht ist. Wenn es fertig ist und bereit zur Veröffentlichung ist, werde ich mit "X Factor" kürzertreten müssen.
Interview: sw

Das Interview mit "X Factor"-Juror und Scooter-Frontmann H. P. Baxxter lesen Sie hier 

Die neue Jury: H.P. Baxxter, Sandra Nasic, Moses Pelham und Sarah Connor (Foto: VOX/Det Kempke)
Die neue Jury: H.P. Baxxter, Sandra Nasic, Moses Pelham und Sarah Connor (Foto: VOX/Det Kempke)
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