"X Factor"-Juror H.P. Baxxter: "Ich bin kein Gesangslehrer"

Donnerstag, 26. Juli 2012
Scooter-Frontmann H. P. Baxxter (Foto: VOX/Det Kempke)
Scooter-Frontmann H. P. Baxxter (Foto: VOX/Det Kempke)


Alles neu, so das Motto in diesem Jahr bei der Vox-Castingshow "X Factor": Künftig wird die Sendung sonntags ausgestrahlt, es gibt Starthilfe von RTL und auch die Jury wurde - bis auf Sarah Connor - komplett ausgetauscht. Neu dabei ist auch H. P. Baxxter, der mit bürgerlichem Namen Hans Peter Geerdes heißt und als Frontmann der Techno-Band Scooter seit Jahren immer wieder an die Chartspitze stürmt. HORIZONT.NET hat mit ihm über das Jurorendasein und floppende Castingshow-Sieger gesprochen und ihm entlockt, welche Kategorie er am liebsten betreuen würde. HORIZONT.NET: Als die neue "X Factor"-Jury bekannt gegeben wurde, war ich überrascht, Ihren Namen dort zu lesen. Warum haben Sie sich dazu entschieden, mitzumachen?
H. P. Baxxter:
Überrascht, dass ich mitmache oder dass Vox mich mitmachen lässt? Die Verwunderung ist nicht so abwegig, denn bisher waren Castingshows kein Thema für mich. Zwar gab es hin und wieder Anfragen, aber bei denen hat dann immer irgendetwas nicht gepasst. Hier war das anders – und das hängt auch mit dem Format zusammen. Klar ist "X Factor" eine Unterhaltungsshow, aber es geht auch darum, ernsthaft Talente zu finden, mit ihnen zu arbeiten und möglichst einen Erfolg zu erzielen. Außerdem hat es von Anfang an mit der Produktion und den anderen Juroren gut funktioniert.

Wie gefällt Ihnen das Jury-Dasein bisher?
Es ist anstrengend, vor allem das Sitzen. Ich bin es nicht gewohnt, so lange auf einem Fleck zu sitzen. Im Studio laufe ich viel herum und sitze nur kurz zwischendurch. Aber jetzt stundenlang zu sitzen – und dabei ständig konzentriert zu sein – ist sehr anstrengend. Natürlich macht es Spaß, aber abends ist man fertig mit der Welt. Trotzdem habe ich die Entscheidung bisher nicht bereut. Im Gegenteil: Ich bin froh, auch mal etwas anderes zu machen und über den Tellerrand zu schauen. Seit 18 Jahren bin ich jeden Tag mit denselben Leuten im Studio. Da besteht die Gefahr, irgendwann betriebsblind zu werden.

Wie haben denn die Kandidaten im Casting auf Sie reagiert?
Einen Scooter-Song hat keiner gesungen. Aber es gab schon einige, die mich mit "Hyper Hyper" begrüßt haben. Insgesamt habe ich festgestellt, dass auch Künstler aus ganz anderen Bereichen mein Urteil ernst genommen haben. Die hätten ja genauso sagen können: Was will der mir erzählen mit seiner Bumm-Bumm-Musik? Aber ich glaube, mittlerweile wissen viele, dass wir alle unsere Songs selber produzieren und jahrelange Erfahrung im Studio haben.

H. P. Baxxter: "Das Jury-Dasein ist anstrengend."
H. P. Baxxter: "Das Jury-Dasein ist anstrengend."
Wie wichtig ist für Sie die Zusammenarbeit mit den Kandidaten, die Sie ja auch coachen sollen?
Ich finde das sehr interessant, weil wir es bislang mit Scooter noch nie geschafft haben, einen anderen Künstler zu produzieren. Deshalb ist X Factor für mich jetzt auch die Gelegenheit, sich einen Künstler zu schnappen und mit ihm eine Single oder sogar ein Album zu produzieren. Da kann man alles einbringen, was man an Erfahrung und Ideen und Sounds hat.

Für den Gesang ist Scooter aber ja nicht bekannt. Was bieten Sie den Kandidaten stattdessen?
Ich bin kein Gesangslehrer und das werde ich auch nie sein. Ich sehe mich nicht als begnadeten Sänger, ich bin MC. Aber wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, wie man einen Hit produzieren kann. Und warum soll das nicht auch funktionieren, wenn wir hier einen tollen Sänger finden? Es geht mir nicht darum, jemanden gesangstechnisch weiterzubringen, dafür gibt es Vocal Coaches. Sondern ich möchte die Kandidaten dabei unterstützen, ihre Musik zu produzieren und zu vermarkten.

Wie wollen Sie denn verhindern, dass der Sieger direkt wieder von der Bildfläche verschwindet, so wie es in der Vergangenheit der Fall war?
Unterm Strich wäre es vermessen, zu sagen: Wir machen jetzt eine Dance-Nummer und sind damit dann europaweit auf Platz 1. Allerdings hat man zum Beispiel mit englischem Gesang schon eine etwas größere Chance, auch jenseits von Deutschland bekannt zu werden. Ich will einen Song produzieren, bei dem mein Bauch mir sagt: Das Ding ist ein Hit. Ob das dann wirklich klappt, hängt bekanntlich von vielen verschiedenen Faktoren, aber wir haben den Anspruch.

Gibt es denn eine bestimmte Kategorie, die Sie gerne betreuen würden?
Ja, einen Wunsch habe ich schon. Was gut passen würde, für einen Housetrack oder eine Trance-Nummer, wäre eine weibliche Stimme, auch gerne aus der jüngeren Kategorie. Ich glaube, bei Scooter hatten wir noch nie einen Sänger, sondern immer nur weibliche Stimmen, deshalb würde das schon Sinn machen. Abwarten!
Interview: sw

Lesen Sie hier das Interview mit "X Factor"-Jurorin Sarah Connor auf HORIZONT.NET.
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