Wutrede: Raab verliert im "SZ"-Interview die Contenance

Freitag, 18. Februar 2011
Stefan Raab teilt aus
Stefan Raab teilt aus

So hat man Stefan Raab wohl noch nie erlebt. Der sonst so abgeklärte Entertainer, an dem scheinbar jede Kritik abprallt, da er sich (zumindest nach außen) keinen Deut darum schert, was andere über ihn sagen, hat sich im Interview mit dem "SZ"-Journalisten Hans Hoff aus der Reserve locken lassen. Das Ergebnis ist eine Wutrede nach Vorbildern wie Uli Hoeneß oder Rudi Völler. Das Streitthema: seine Rolle beim Eurovision Song Contest (ESC). Vehement verteidigt Raab den erneuten Antritt von Lena Meyer-Landrut bei dem Gesangswettbwerb: "Es gibt nur eine Sünde: Feigheit. Genau das ist das Problem der meisten Leute: Sie haben Schiss in der Buchse. Was passiert denn, wenn wir beim nächsten Mal den ESC nicht gewinnen? Das haben zwei Wochen später alle wieder vergessen."

Vor allem die Berichterstattung über die schlechten Quoten der Show "Unser Song für Deutschland", in der das von Lena beim kommenden ESC ermittelt wird, wurmt ihn. "Seit wann interessieren Sie sich denn für die Quoten?", fragt er Hoff gereizt. "Auf einmal interessieren sich die Medien für den ESC und tun so, als handele es sich um Politik. Der größte Wahn liegt in den Köpfen der Journalisten. Die drehen durch."

Hoffs Vorwurf, dass Raab die ARD "am Nasenring durch die Manage führt", will der Moderator nicht gelten lassen. "Die müssen ja nicht mit mir arbeiten", betont Raab. Da er noch nicht mal einen Vertrag unterschrieben habe, könne die ARD ihn jeder Zeit rausschmeißen. "Ich bin ein freier Mensch." Im Übrigen habe er überhaupt erst eine Neo-Demokratie eingeführt. In dem Jahr vor Lena sei diktatorisch bestimmt worden, "Alex swings, Oscar sings, Dita tanz. Da haben Sie die Pest, die Cholera und die Syphilis frei Haus bekommen." Er habe dagegen nicht nur über den Künstler abstimmen lassen, sondern auch über den Song.

2011 werde die Neo-Demokratie auf eine Demokratie zurückgestuft, in der die Zuschauer über das Lied, nicht aber den Interpreten, entscheiden könnten. Die Aufregung darüber kann Raab nicht verstehen. "Steht irgendwo im Grundgesetz, dass es ein Recht der Bevölkerung gibt zu entscheiden, wer zum ESC fährt?" Das sei, als ob Jogi Löw per Tele-Voting ermittelt, wer in der Nationalmannschaft spielt. bn
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