Wolfram Weimer: "Markwort und ich haben ein gutes Arbeitsverhältnis gefunden"

Mittwoch, 19. Januar 2011
"Focus" ist zurück: Chefredakteur Weimer blickt positiv in die Zukunft
"Focus" ist zurück: Chefredakteur Weimer blickt positiv in die Zukunft

In einer Zeit, in der es Nachrichten "an jeder Online-Ecke gibt", müsse der "Focus" neu erfunden werden. Das erklärt Chefredakteur Wolfram Weimer in einem Interview mit dem "Tagesspiegel". Vor allem die Konkurrenz zum Internet habe dem Magazin stark zugesetzt. Deshalb lauten Weimers Pläne: "Wir müssen vom Nachrichtenmagazin zu einem Nachrichten- und Orientierungsmagazin werden." Der Handlungsbedarf ist nach wie vor groß. "Focus" hat sei Jahren mit sinkenden Auflagen zu kämpfen und wurde von den direkten Konkurrenten "Spiegel" und "Stern" deutlich abgehängt. Im 4. Quartal 2010 konnte "Focus" laut IVW nur noch rund 551.000 Exemplare verkaufen, das ist noch einmal ein Rückgang um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Um seinen Kioskverkauf anzukurbeln hat "Focus" den Copypreis der aktuellen Ausgabe einmalig von 3,50 Euro auf 1 Euro gesenkt - bereits Anfang der Woche kündigte Burda an, dass der Verkauf so gut laufe, dass 150.000 Exemplare nachgedruckt werden.

Weimer hat die operative Leitung des "Focus" im Juni 2010 übernommen. Der ehemalige Chefredakteur und Gründungsvater Helmut Markwort trat in diesen Herbst offiziell zurück, bleibt jedoch Herausgeber. "Markwort ist der Abschied schwergefallen - er ist der Gründer des Blattes, er hängt an seinem 'Focus', was ich nachvollziehen kann. Aber ich denke, wir haben ein gutes Arbeitsverhältnis gefunden", sagt Weimer.

Als neuer Chefredakteur blickt er jedoch positiv in die Zukunft des "Focus". Durch das umstrittene und dennoch viel zitierte Interview mit Thilo Sarrazin, brachte sich das Magazin wieder ins Gespräch. Im der aktuellen Ausgabe knüpft er daran an. Unter dem reißerischen Titel "Verdummen unsere Kinder?" veröffentlicht "Focus" ein Interview mit Sarrazins Ehefrau Ursula über das Bildungsniveau an deutschen Schulen. Der "Focus" habe wieder Fuß gefasst, so Weimer. "Nach dem Einbruch bis 2009, dem schwierigen Umbruch 2010, sieht es nun für 2011 nach einem publizistischen Aufbruch aus." Einen großen Umbau innerhalb der Redaktionen, mit dem ein Personalabbau einher ging, hat es ebenfalls bereits gegeben. hor
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