Wochenrückblick: FTD, Daily, Pardon, GWA, Vatikan und mehr

Freitag, 07. Dezember 2012
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Mit dem Ende der „FTD" wird das letzte Überbleibsel der New Economy begraben. Dagegen wird mit dem Ende von „The Daily" nicht Tablet-Publishing, allenfalls die größenwahnsinnige Variante, begraben. Und mit dem ersten neuen „Pardon" wird leider keine Satire-Auferstehung eingeläutet. Ganz und gar nicht satirisch gemeint ist die Beschimpfung von Google als Taliban und Hehlerbande. Und dass sich Papst Benedikt XVI. jetzt per Twitter um seine Schäfchen kümmert, sollte man in der Tat ernst nehmen - der Wochenrückblick von HORIZONT-Chefredakteur Volker  Schütz.

MEDIEN

Scheitern, Teil eins oder Bye, bye „FTD“: Sie wird uns fehlen, die Tageszeitung mit dem Lachsrosa-Papier. Sie war, im Jahr 2000 gegründet, ein Kind der New Economy. Und mit der „FTD“ wird das letzte Überbleibsel dieser erst euphorischen, dann depressiven Epoche zu Grabe getragen. Vielleicht war der Urwiderspruch der „FTD“ auch ihr Hauptproblem, vielleicht war der Versuch, im beginnenden digitalen Zeitalter eine Tageszeitung für die Generation New Economy zu gründen, von vorneherein zum Scheitern verurteilt. In jedem Fall hat die „FT“ viel zu spät von analog auf digital umgeschaltet. Nicht nur Chefredakteur Steffen Klusmann geht tieftraurig ins Wochenende.

Scheitern, Teil zwei oder Warum The Daily so kläglich verunglückte: Als vor anderthalb Jahren The Daily startete, habe ich die „multimediale Wundertüte aus dem Hause Murdoch" bewundert. Eine ziemlich naiv-überschwängliche Begeisterung, die die iPad-Tageszeitung nie einlösen konnte. Die vermeintliche Wundertüte war ein ziemlicher Rohrkrepierer.

Was uns das Daily-Desaster lehrt:

- Geld, kombiniert mit Arroganz, macht kein gutes Produkt, geschweige denn einen neuen Markt.
- Content is King. Der Daily-Journalismus war allenfalls Mittelmaß.
-  Für Tablets gilt: auch Technology is king. Die technologischen Möglichkeiten der beginnenden Tablet-Ära hat The Daily nie ausgeschöpft.
- Tablets sind - möglicherweise - keine Medien für Tageszeitungen und Paid-Content-Nachrichten, sondern eher für den Lean-Back-Lesemodus (Periodika, Second Screen) oder für schnelle News (HTML5-Sites) geeignet.

„Pardon" wird nicht gegeben. Satire darf Kurt Tucholsky zufolge alles. Sie sollte nur nicht humorfrei sein. Die neue „Pardon" von Ex-„Focus"-Chefredakteur Wolfram Weimer ist genau das: ziemlich langweilig (auch wenn Spießer Alfons einen Text beigesteuert hat).  Es fehlen die Zoten, die Schärfe, das politisch Unkorrekte. Schade eigentlich.

Zeitungsland Deutschland steht vor einer historischen Wende, wieder einmal. Eigentlich muss keine Marktforschung bemühen, um zur Erkenntnis zu kommen, dass die Umbruchsjahre für Medien noch nicht vorbei sind. Der European Forecast von Zenith Optimedia prognostiziert, dass die Investitionen in Digitalwerbung die Investitionen in Werbung in Tageszeitungen 2015 überholen werden.

Was sonst noch passiert ist:+++Million Dollar Shootingstar entwickelt sich zum Million-Euro-Flop+++Taliban, Hehlerbande: Der Verbalkrieg von Axel Springer gegen Google +++Macht die „SZ" eine Frankfurter Regionalausgabe?

AGENTUREN

Macht jetzt jeder Verband sein eigenes Kreativranking? Erst kommt der ADC, jetzt auch noch der GWA mit einem Effie-Ranking, was dem DDV zu Recht ziemlich gegen den Strich geht. Wir hätten noch ein paar Vorschläge für weitere Rankings in petto, warten aber lieber die Vorschläge von BVDW, GPRA, DDC, Kommunikationsverband und anderen Standesorganisationen ab.

Was sonst noch passiert ist:+++Grey erlebt ein „Dr. Jekyll and Mr. Hyde"-Jahr, darf aber eine BDZV-Kampagne entwickeln+++CEOs: Publicis-Chef Maurice Lévy verdient am meisten

MARKETING

Der Vatikan twittert. Das Web 2.0. hat Benedikt XVI. erreicht. Weihnachtsgrüße an den Papst kann man ab sofort über  @Potinfex loswerden.

Amazon hui, Apple pfui. Online-Händler Amazon ist für die Deutschen auch 2012 wieder die vertrauenswürdigste Marke, sagt die repräsentative Umfrage "Markenvertrauen 2012" der Markenberatung Sasserath Munziger Plus. Apple schneidet dagegen beim aktuellen GPRA-Vertrauensindex überraschend schlecht ab. Ob dies am überzogenen Apple-Bashing von Hajo Schumacher ( „Das Nordkorea der Konsumwelt") liegt? vs
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