Wirtschaftsmedien sehen Anzeichen für Trendwende / Ingrid M. Haas im Interview

Mittwoch, 17. Februar 2010
Die "FTD" wird in der kommenden Woche 10 Jahre alt
Die "FTD" wird in der kommenden Woche 10 Jahre alt

Ist das der Lichtstreifen am Horizont, die herbeigesehnte Trendwende? Nach brutalen Kürzungen regt sich wieder was in Sachen Marketing bei Banken, Finanzdienstleistern und Versicherern. Und das ist von existenzieller Bedeutung für die zuletzt so arg gebeutelten Wirtschaftstitel. Bei der Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB) liegen die Anzeigenumsätze in den ersten sechs Wochen deutlich über Vorjahr, und auch beim großen Konkurrenten Gruner + Jahr ("FTD", "Capital") stehen die Zeichen auf Entspannung - und die Buchungen im Plus. Tatsächlich registriert etwa Katja Brandt, Geschäftsführerin der Aegis-Tochter Vizeum, eine "positive Stimmung" und rechnet mit einer Steigerung der Werbeausgaben der Finanzdienstleister im einstelligen Prozentbereich. Besonders gespannt dürfte Ingrid M. Haas, Verlagsgeschäftsführerin G+J Wirtschaftsmedien, auf die Zahlen blicken. Denn das börsentägliche Flaggschiff ihrer Gruppe, die "FTD", feiert in der kommenden Woche das 10-jährige Jubiläum. Dazu und zur konjunkturellen Wetterlage befragte HORIZONT.NET die G+J-Managerin.

Ingrid M. Haas: "Die Risiken liegen in den Finanzmärkten"

Ingrid M. Haas
Ingrid M. Haas
In diesen Tagen wird die "FTD" 10 Jahre alt. Wie stehen die Chancen, dass der journalistisch längst etablierte Titel im Jubiläumsjahr endlich schwarze Zahlen schreibt? Ingrid M. Haas: Im Jubiläumsjahr werden wir die schwarze Null nicht schaffen, außer die Anzeigenkonjunktur dreht total. Aber in 2011 haben wir diese wichtige Marke in Sichtweite.

Wie haben sich die Werbebuchungen bei den G+J Wirtschaftsmedien 2009 gegenüber 2008 entwickelt? Das Anzeigengeschäft von Wirtschaftstiteln stand wie schon 2008 auch im letzten Jahr unter Druck, da alle Kernbranchen weiter auf der Kostenbremse standen.

Wie liegen Januar und Februar 2010 im Vergleich zu 2009? In den ersten beiden Monaten dieses Jahres zeichnet sich im Anzeigengeschäft eine Erholung ab.

Und die Vorbuchungen beziehungsweise Ihre Prognosen fürs Restjahr 2010? Auch für das Gesamtjahr 2010 liegen wir leicht über Vorjahr.

Was sind die großen (Werbe-) Themen der Finanzdienstleister in diesem Jahr? Produkte? Konditionen? Image? Für die Finanzdienstleister werden in diesem Jahr die neuen Vorgaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für Produktwerbung kommunikativ die große Herausforderung sein. Die Banken und Versicherer verfolgen aber durchaus unterschiedliche Strategien. Unserer Einschätzung nach geht die Ausrichtung aber etwas stärker auf Produktkampagnen, wie auch im letzten Jahr. Imagewerbung spielt bei den meisten Anbietern eine nicht so starke Rolle, beziehungsweise wird auch über die Qualität der Produkte dargestellt.

Und was sind die Risiken? Die Risiken liegen in den Finanzmärkten selbst. Sollten wir eine weitere Vertrauenskrise in der Euro-Zone bekommen, wird das sicherlich Auswirkungen haben.

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Mehr zur Situation der Wirtschaftsmedien lesen Sie in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 07/2010, die am 18. Februar erscheint.

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Inwieweit verändern die Finanzdienstleister nach Ihrer Beobachtung den Media-Mix ihrer Kampagnen, also etwa raus aus der Klassik und hin zum Direktmarketing? Eine neuerliche Veränderung des Media-Mix' der Finanzdienstleister können wir bislang nicht beobachten. Der seit 2008 verstärkte Einsatz von Direktmarketing setzt sich fort. Vor allem deshalb haben nahezu alle G+J Wirtschaftsmedien online von diesem Trend mit crossmedialen Paketlösungen profitieren können.
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