"Wirklichkeitsfremd": VPRT kritisiert Kennzeichungspflicht für Product Placement

Montag, 02. November 2009
Verbandspräsident Doetz hält Kennzeichnung für schwierig
Verbandspräsident Doetz hält Kennzeichnung für schwierig

Die privaten Sender kritisieren die Form, in der die Ministerpräsidenten Product Placement nun rechtlich auch in Deutschland erlauben. Die Länderchefs haben vergangene Woche die EU-Mediendiensterichtlinie im 13. Rundfunkänderungsstaatsvertrag in nationales Recht übertragen. Demnach bleibt Placement zwar offiziell verboten, eine Vielzahl von Ausnahmen, macht es zumindest für die privaten Sender jedoch de facto möglich. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Formate, die gegen Bezahlung bereitgestellte Produkte und Dienstleistungen enthalten, gekennzeichnet sind. Das gilt nun auch für die Ausstrahlung von Fremdproduktionen wie zum Beispiel ausländischer Lizenzware, wenn die Platzierungen mit "zumutbarem Aufwand" ermittelbar seien. Gerade bei US-Filmen wie "James Bond" ist Placement gang und gebe - muss jedoch nicht gekennzeichnet werden.

Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) fürchtet erheblichen Mehraufwand durch die Kennzeichnungspflicht der Fremproduktionen: "Das ist wirklichkeitsfremd und im Übrigen bei den Fernsehveranstaltern falsch adressiert. Wir sollen nun für Inhalte haften, die wir weder produziert noch beauftragt haben", sagt Verbandspräsident Jürgen Doetz. Auch die weitreichendenden Formateinschränkungen kritisiert der VPRT. So dürfen zum Beispiel bei Nachrichtensendungen und Kinderformaten keine Platzierungen eingebaut werden.

Der Vertrag muss nun noch von den Länderparlamenten ratifiziert werden und soll dann im April 2010 in Kraft treten - vier Monate später als geplant. Von der EU vorgegeben, hätte die Richtlinie bereits bis Mitte Dezember in nationales Recht umgewandelt werden müssen. pap
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