"Wir wachsen": Wie die "FTD" auf Facebook weiterlebt

Montag, 15. April 2013
Auf Facebook grüßt die "FTD" bis heute mit dem Abschiedsfoto der Redaktion
Auf Facebook grüßt die "FTD" bis heute mit dem Abschiedsfoto der Redaktion


Blatt eingestellt, Homepage stillgelegt: Seit etwas mehr als vier Monaten ist die "Financial Times Deutschland" nun bereits Geschichte. Auf Facebook zeigt sich die Wirtschaftszeitung aber immer noch reichlich vital. Dahinter steckt Björn Maatz: Der einstige Social-Media-Redakteur der "FTD" versorgt deren Facebook-Fans bis heute mit Futter. Warum tut er das? HORIZONT.NET sprach mit dem Mann, der die "FTD" wenigstens ein bisschen am Leben erhält.
Björn Maatz betreut den Facebook-Auftritt der "FTD" (Bild: Maxim Sergienko)
Björn Maatz betreut den Facebook-Auftritt der "FTD" (Bild: Maxim Sergienko)
An die Nachricht vom Ende der "FTD" kann sich Björn Maatz noch gut erinnern - sie erreichte ihn im Urlaub. Zu diesem Zeitpunkt im November 2012 war er gerade etwas mehr als ein Jahr für die Social-Media-Auftritte der Wirtschaftszeitung verantwortlich. Ein Job, den er nicht aufgeben wollte: "Mein Herz hing und hängt nach wie vor so sehr an der 'FTD', dass ich auch nach dem Aus der Zeitung ihre Stimme nicht einfach verstummen lassen wollte. Unmittelbar nach dem 7. Dezember haben sich via Facebook und Twitter wahnsinnig viele Menschen mit uns Verbindung gesetzt, sodass ich gemerkt habe: Die FTD-Leser brauchen auch weiterhin eine Anlaufstelle. Also habe ich auf Facebook einfach weiter gemacht", erklärt Maatz, der momentan als Redakteur beim G+J-Wirtschaftsmagazin Capital angestellt ist.

Die Resonanz der Facebook-Fans gibt ihm Recht: Im März dieses Jahres sprachen zeitweise 12.823 Personen über die "FTD" - ähnlich viele wie im Dezember, als das Aus der Zeitung verkündet wurde. Derzeit sind es immer noch äußerst respektable 2.457 Personen, die sich über die "FTD" unterhalten. Noch erstaunlicher: "Wir wachsen weiterhin - zwar marginal, aber wir wachsen", sagt Maatz. Derzeit verzeichnet die "FTD" auf Facebook knapp über 37.100 Fans. Zum Vergleich: Das noch sehr lebendige "Handelsblatt" hat mit rund 39.450 Fans eine nur unwesentlich größere Anhängerschaft. Der einstmals größte Konkurrent hat seit März dieses Jahres die Nase vorn - Maatz gratulierte damals mit einem Posting auf dem "FTD"-Account.

Eine eingestellte Medienmarke, die mit grandiosen Interaktionszahlen und einer großen Fangemeinde glänzt. Wie geht das? Mit einem guten Ruf sowie einer Mischung aus der gewohnten Wirtschafts-Kompetenz und bunten Themen. Wichtig sei ihm, dass das "FTD"-Profil nicht einfach mit beliebigen Themen gefüllt werde, sondern nach wie vor seine Funktion als "Wirtschaft-Hub" ausfülle, erklärt Maatz. "Das heißt nicht, dass ich keinen viralen Content mehr poste. Aber fundierte Einschätzungen und Analysen der ehemaligen FTD-Kollegen sind nach wie vor am meisten gefragt." Dazu zählen etwa Daniel Saurenz und Benjamin Feingold, die im Januar 2013 mit dem Investmentportal Feingold Research an den Start gingen.

Ansonsten postet Maatz das, was auch zuvor sein tägliches Handwerk war: Breaking News oder provokant eingeordnete Beobachtungen aus dem täglichen Nachrichtenstrom. Sein Ziel, die "FTD" auf diese Weise wenigstens für eine Übergangszeit weiterleben zu lassen, darf man getrost als erfüllt ansehen. Wie es mit dem "FTD"-Profil nach dem 1. Mai weitergeht, steht derzeit noch in den Sternen. Denn dann wird Maatz einen neuen Job antreten - bei einer Hamburger PR-Agentur. ire
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