"Wir glauben es hackt": Tatort-Autoren und Chaos Computer Club streiten über Urheberrechte

Freitag, 30. März 2012
51 Tatort-Autoren machen sich für das Urheberrecht stark
51 Tatort-Autoren machen sich für das Urheberrecht stark


51 Tatort-Autoren haben in einem Offenen Brief an die Grünen, die Piratenpartei und die Linken sowie die Netzgemeinde eine mögliche Aushöhlung des Urheberrechts scharf kritisiert. Die Gleichsetzung von frei und kostenfrei sei demagogisch. Die Antwort der Netzgemeinde folgte prompt. Im Namen des Chaos Computer Club schießen "51 Hacker" scharf zurück: "Wir glauben, es hackt. Das ist das Digitalzeitalter, Freunde." Es sei an der Zeit, "sich von ein paar Lebenslügen zu verabschieden", schreiben die Drehbuchautoren in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Brief. Die "dramatische Gegenüberstellung" der Grundrechte zum Schutz des geistigen Eigentums und des Urheberrechts auf der einen Seite und dem freien Zugang zu Kunst und Kultur sei nicht zulässig. Die Behauptung, es gebe keinen freien Zugang zu Kunst und Kultur mehr sei eine "demagogische Suggestion".

"Die Menschenrechte garantieren in der Tat einen freien, aber doch keinen kostenfreien Zugang zu Kunst und Kultur", betonen die Autoren: "Diese politische Verkürzung von Grünen, Piraten, Linken und Netzgemeinde dient lediglich der Aufwertung der User-Interessen, deren Umsonstkultur so in den Rang eines Grundrechtes gehievt werden soll." Überhaupt mißfällt den Tatort-Autoren der hohe Ton der Debatte, der "die Banalität von Rechtsverstößen kaschiert oder gar zum Freiheitsakt hochjazzt".

Zudem nehme die Politik die falschen Übeltäter ins Visier. "Nein, nicht Google, Youtube und die anderen Internetserviceprovider, die sich dumm und dämlich daran verdienen, illegale Kontakte zu vermitteln, den kriminellen Modellen wie Kino.to, Megaupload, the Pirate Bay etc. überhaupt zum Erfolg zu verhelfen" seien in den Augen der Parteien die Übeltäter, sondern Medienkonzerne wie Sony, Universal und Bertelsmann und Rechteverwerter wie die GEMA; "Mal davon abgesehen, dass die selbsternannten Digital Natives (auch) über diesen Punkt nie direkt mit den betroffenen Urhebern gesprochen haben, sie haben überhaupt nicht verstehen oder begreifen wollen, dass bis auf Maler und Bildende Künstler diese Trennung in Urheber und "böse" Verwerter überhaupt keinen Sinn macht, ja unmöglich ist."

"Wir glauben es hackt": Die Replik des Chaos Computer Club

Die Reaktion der Netzgemeinde ließ nicht lange auf sich warten: Im Namen der Netzgemeinde meldeten sich 51 Hacker des Chaos Computer Club zu Wort, die in ihrer Wortwahl ebenfalls nicht zimperlich waren. Auch sie seien Urheber, betonen die Autoren: "Wir sind Programmierer, Hacker, Gestalter, Musiker, Autoren von Büchern und Artikeln, bringen gar eigene Zeitungen, Blogs und Podcasts heraus. Wir sprechen also nicht nur mit Urhebern, wir sind selber welche." 

Daher werde es keinen "historischen Kompromiss geben" denn es stünden sich nicht zwei Seiten gegenüber, jedenfalls nicht Urheber und Rezipienten, sondern allenfalls "prädigitale Ignoranten mit Rechteverwertungsfetisch auf der einen Seite und Ihr und wir auf der anderen, die wir deren Verträge aufgezwungen bekommen". Beide Seiten seien Opfer des Verwertungssystems. 

Der von den Autoren "als gottgegeben hingestellte Begriff des sogenannten "geistigen Eigentums" sei bei näherem Hinsehen eine "Chimäre jüngeren Datums", ein Kampfbegriff, um gewisse grundsätzliche Diskussionen zu vermeiden. Beim Thema Schutzfristen werden die Hacker deutlich: "Wir glauben, es hackt. Das ist das Digitalzeitalter, Freunde, wir wissen nicht mal, wie wir digitale Daten ein ganzes Jahrhundert lang bewahren sollen. Die Archive und Bibliotheken haben noch nicht mal annähernd ein Konzept dafür."

Und auch die kritisierten Parteien, die sich eine Reform des Urheberrechts auf die Fahnen geschrieben haben, kriegen beim Chaos Computer Club ihr Fett weg: "Mit grünen Kulturpolitikern zu reden, ist wie mit einer Wand. (...) Die Piraten haben keine Kulturpolitikerinnen. Die linken Kulturpolitiker sind ganz entgegen anderslautender Gerüchte die mit Abstand progressivsten, die neue Ideen auch gern mal durchdenken." Eines haben die Tatort-Autoren mit ihrem Manifest zumindest erreicht: Das Thema Urheberrechte ist wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. dh
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