Wilsberg und die neuen Medien: Warum das ZDF seine Crossmedia-Strategie ausweitet

Donnerstag, 26. Januar 2012
Detektiv Georg Wilsberg (links) befragt den merkwürdigen Nils Erdel (Bild: ZDF/Thomas Kost)
Detektiv Georg Wilsberg (links) befragt den merkwürdigen Nils Erdel (Bild: ZDF/Thomas Kost)


Lean-Back war gestern: Das ZDF startet mit einer Doppelfolge der Krimiserie "Wilsberg" ein weiteres Format, bei dem sich die Zuschauer online an der Handlung beteiligen können. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Zweite mit "Wer rettet Dina Foxx" ein crossmediales Format ins Programm gehoben. Diesmal jedoch gibt es kleine Unterschiede. Premiere feierte das Kapitel "Aus Mangel an Beweisen" bereits gestern auf dem Digitalkanal ZDF Neo. Am kommenden Samstag zeigt das ZDF - jeweils zur Prime-Time - die Sendung noch einmal, ehe am 18. Februar mit "Die Bielefeld-Verschwörung" die Fortsetzung der ersten Episode folgt. Teil der Handlung ist der fiktive Charakter Nils Erdel, der in der ersten Folge als Mordverdächtiger mit Hang zu Verschwörungstheorien eingeführt wird. In der zweiten Episode des Double-Features (Produktion: Eyeworks Fiction Cologne) rückt Erdel selbst in den Fokus des Geschehens.

Für das Projekt richtete das ZDF eigens den Blog www.101bielefeld.de ein
Für das Projekt richtete das ZDF eigens den Blog www.101bielefeld.de ein
Der Online-Teil des Krimis (Zuarbeit: Gesamtkunstwerk Entertainment, Köln) findet in den drei Wochen zwischen den beiden Folgen statt. Es geht dabei um einen äußerst populären Dauerwitz aus dem Internet: Die Theorie, dass die Stadt Bielefeld überhaupt nicht existiert. Auf Erdels fiktivem Blog www.101bielefeld.de können die User Hinweise für die (Nicht)-Existenz von Bielefeld sammeln und kleine Aufgaben und Rätsel lösen. Letztendlich mussen die User den Paranoiden davon abhalten, in sein Verderben zu rennen.

Mit crossmedialen Formaten hatte das ZDF bereits im vergangenen Jahr positive Erfahrungen gemacht. Der Krimi "Wer rettet Dina Foxx?" fand sowohl im TV als auch online statt. Die User konnten sich dabei aktiv an der Lösung des Falles beteilgen. Die positive Bilanz von damals ist ein Grund für das aktuelle Projekt: "Das zunehmende Interesse an diesen Möglichkeiten beim Nutzer aber auch innerhalb der Branche bedienen wir mit unserem Angebot zu „Wilsberg“ gerne", so der für das Projekt mitverantwortliche ZDF-Redakteur Benjamin Gögge gegenüber HORIZONT.NET.

Diesmal wählte das ZDF eine bereits etablierte Reihe für eine Online-Verlängerung. "Wilsberg" war jedoch prädestiniert für das Projekt, wie Gögge erklärt: Für eine der Folgen konnten sich die User einst online an der Drehbuchentwicklung beteiligen - eine Idee, die anschließend mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet wurde. "Andererseits bieten die humoristische Erzählweise des Formats und die absurde Idee der Bielefeld-Verschwörung verschiedene erzählerische Anknüpfungspunkte für eine Verlängerung der Geschichte ins Netz", erklärt Gögge.

Eine bestimmte Zielsetzung was die Reichweiten angeht gibt es bei dem Projekt nicht. "Wir gehen davon aus, dass wir durch den langlaufenden Charakter der Netzerzählung einige neue Nutzer erreichen", sagt Gögge. Konkreter wird der ZDF-Mann schon, wenn es um die Zusammensetzung der anvisierten Nutzer geht: "Wir möchten mit unserem Angebot Nutzer ansprechen, die Spaß am Humor der Wilsberg-Reihe haben. Zwar erreichen wir online erfahrungsgemäß jüngere Nutzer als im TV, aber unser Angebot ist auch für ältere Wilsberg-Zuschauer konzipiert."

Man darf gespannt auf die Zugriffszahlen des Online-Angebots sein. Aber auch wenn das Projekt  floppen sollte, der Pioniergeist beim Zweiten ist ungebrochen, wie Gögge bestätigt: "Cross- und transmediale Verbindungen von TV und Online in unterschiedlicher Ausprägung sind ein Bestandteil unserer Planung für die nächsten Jahre." ire
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