Wie sich Verlage und Apple umkreisen / Google und Facebook als Kiosk-Alternativen?

Donnerstag, 17. Juni 2010
Apples iPad dürfte auch für Verlage ein wichtiger Vertriebsweg werden
Apples iPad dürfte auch für Verlage ein wichtiger Vertriebsweg werden
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Verlage und Apple - eine komplizierte Beziehung. Einerseits erhoffen sich die Zeitschriften vom iPad neue Umsatzchancen, andererseits kritisieren sie Apple beziehungsweise dessen Medienshop iTunes heftig. Preisdiktat und zu hohe Provisionen beim Verkauf von Presse-Apps (30 Prozent), Okkupation der Kundenbeziehung und Werbevermarktung sowie Zensur von Inhalten: Das sind die häufigsten Vorwürfe oder Befürchtungen, die mittlerweile auch direkt an Apple adressiert werden. So haben der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und der internationale Verleger-Dachverband FIPP Apple-Chef Steve Jobs aufgefordert, sich mit ihnen über seine App-Politik auszutauschen.

VDZ-Manager Alexander von Reibnitz
VDZ-Manager Alexander von Reibnitz
Auch in Deutschland redet man miteinander: Im Mai war bei einem Treffen des VDZ-Arbeitskreises E-Publishing auch ein Apple-Vertreter zugegen. Dieser beruhigte die Verlagsleute bezüglich Apples Werbeplattform iAd. Es sei nicht daran gedacht, die von den Verlagen auf ihre Apps bespielten Werbeinhalte zwangsweise durch iAd zu ersetzen, so der Apple-Mann laut Angaben von Besprechungsteilnehmern. Vielmehr solle iAd den Verlagen als Option für die Zweit- und Weitervermarktung ihres Inventars angeboten werden, ähnlich wie Google Adsense - gegen eine Provision von 40 Prozent für Apple.

Beim Vertrieb ist es im Umgang mit Apple wichtig, zwischen der Inhalte-Distributionsplattform iTunes und dem Endgerät iPad zu unterscheiden: „Es ist möglich, an iTunes vorbei Kioskanwendungen als App auf dem iPad als Shop-in-Shop zu installieren, so dass Verlage ihre Kundenbeziehung, Preishoheit und Werbevermarktung behalten können", sagt Alexander von Reibnitz, VDZ-Geschäftsführer Digitale Medien/Neue Geschäftsfelder. Offen ist hier nur, inwieweit Apple sogar in diesem Fall Zugriff auf die Inhalte haben kann und darf. Da gebe es noch Klärungsbedarf, sagt ein Verlagsmanager, der am VDZ-Meeting mit dem Apple-Vertreter teilgenommen hat. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Vorstoß der Rundfunkreferenten der Bundesländer, die offenbar prüfen, ob Apple ähnlich wie Kabelnetzanbieter dazu verpflichtet werden kann, Inhalte in sein Angebot aufzunehmen.

Apple-Chef Steve Jobs
Apple-Chef Steve Jobs
Einig sind sich die Verlage vor allem in einem: Apple braucht Konkurrenz - je mehr, desto besser die Verhandlungsposition der Medienhäuser. Deshalb das Beschwören einer gemeinsamen Plattform vor allem durch Gruner + Jahr (nicht nur uneigennützig, weil dessen Vertriebstochter DPV gemeinsam mit Bertelsmanns Buchhandelszweig Direct Group praktischerweise einen solchen Onlinekiosk aufbaut). Deshalb der anfängliche Hype um das vermeintliche iPad-Konkurrenzprodukt WeTab (der sich durch PR-Fehler des Herstellers mittlerweile eher ins Negative verkehrt hat).

Und deshalb folgende hypothetische Frage: Was wäre, wenn auch Google und Facebook Online-Distributionsplattformen für digitale Medieninhalte zu fairen Konditionen aufbauen würden? 60 Prozent der Verlage würden einen solchen Google-Shop sicher nutzen, ein Drittel vielleicht. Bei Facebook liegt die Zustimmung etwas niedriger: 47 Prozent der Verlage würden ihre Inhalte auf jeden Fall beziehungsweise wahrscheinlich (7 Prozent) auch über eine Facebook-Plattform vertreiben, 40 Prozent vielleicht.

Diese Hochrechnung ergibt sich aus einer Mitgliederbefragung des VDZ-Arbeitskreises E-Publishing. Auch wenn die Umfrage kaum repräsentativ ist (15 von 24 befragten Verlagen haben geantwortet), liefert sie doch zum ersten Mal mit Zahlen unterlegte Ansichten und Absichten der deutschen Verlage zum Hype- und Zukunftsthema. Über die übrigen Ergebnisse hatten HORIZONT.NET und ausführlicher HORIZONT (Heft 22/2010 vom 3. Juni) Anfang dieses Monats berichtet. rp
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