Wie Kai Diekmann die digitale Revolution der "Bild" vorantreiben will

Mittwoch, 22. Mai 2013
Demnächst wird Kai Diekmann den Hoodie wieder gegen ein Hemd austauschen
Demnächst wird Kai Diekmann den Hoodie wieder gegen ein Hemd austauschen


Kai Diekmann ist voller Tatendrang. In wenigen Wochen kehrt der Chefredakteur der "Bild"-Zeitung aus dem Silicon Valley nach Deutschland zurück und wird jede Menge neue Ideen im Gepäck haben. Im Interview mit dem "Handelsblatt" deutet er an, wohin die Reise gehen wird: Diekmann will die Prozesse und Strukturen in der Redaktion voll auf die Erfordernisse der digitalen Welt ausrichten und neue Erzählformen für digitale Endgeräte entwickeln: "Die Zeitung aus Papier ist bei uns künftig eine Oberfläche von vielen." Der monatelange Aufenthalt von Kai Diekann, Peter Würtenberger und Martin Sinner im Silicon Valley hat offensichtlich reiche Früchte getragen: "Mir ist jetzt klar, vor welch ungeheuren Herausforderungen wir in unserem Geschäft stehen", betont Diekmann. "Die Digitalisierung unserer Marken ist die Schicksalfrage für den gesamten Konzern." Man habe in diese Richtung schon einiges unternommen, nun gehe es darum, die digitale Transformation - oder Revolution - noch viel entschiedener voranzutreiben. "Jetzt müssen wir dahin, wo unser Publikum ist: auf die digitalen Plattformen, vor allem auf die digitalen Endgeräte."

Dabei will sich Diekmann aber nicht darauf beschränken, Artikel einfach nur für unterschiedliche Endgeräte aufzubereiten. "Wir müssen anfangen, Geschichten so zu denken, dass die auf Smartphones funktionieren." Man müsse die Möglichkeiten vor allem mobiler Endgeräte wie Tablets und Smartphones immer besser auszuloten. "Wir müssen neue Formate entwickeln und eine eigene Sprache oder Erzählweise."

Um auch im Netz mit journalistischen Inhalten Geld zu verdienen, wird es bei dem Nachrichtenportal Bild.de künftig auch geschlossene Bereiche geben. "Es wird sich im Wesentlichen um ein Abo-Modell handeln, aber ein sehr flexibles." Das neue Modell wird in der kommenden Woche in Berlin vorgestellt. Auch über einen eigenen Nachrichtenaggregator denkt Axel Springer nach: "Wir sind gerade dabei, diesen Bereich in einem umfassenden Projekt zu analysieren - und danach treffen wir dazu eine Entscheidung." Noch im Sommer soll außerdem eine eigene App für das 1414-Leserreporter-Programm starten.

Das Sparprogramm, dem nach Informationen des "Spiegel" bis zu 200 Stellen zum Opfer fallen könnten, wollte Diekmann nicht bestätigen. "Die kolportierten Zahlen sind schlicht falsch. Aber eines ist auch klar: Die Marke "Bild" für die Zukunft wetterfest zu machen heißt auch, sie umzubauen. Wo kein Wachstum ist, muss ich Strukturen anpassen, um in Bereiche investieren zu können, wo ich Wachstum erwarte." dh
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