Wie Jürgen Hörner und Thomas Ebeling Sat 1 wieder auf Vordermann bringen wollen

Donnerstag, 01. März 2012
Thomas Ebeling (l.) und Jürgen Hörner
Thomas Ebeling (l.) und Jürgen Hörner


Der Umbau bei Sat 1 geht weiter. Nachdem gerade Andreas Bartl, seit 2008 Vorstand für German Free TV bei Pro Sieben Sat 1 und Geschäftsführer der Pro Sieben Sat 1 TV Deutschland GmbH (TVD), abgetreten ist, hat sich nun sein Nachfolger bei der TVD erstmals zu Wort gemeldet. Jürgen Hörner, in Personalunion auch Geschäftsführer von Pro Sieben, berichtet in der Position des kommissarischen Geschäftsführers der TVD, in der die Sender der Gruppe gebündelt sind, direkt an CEO Thomas Ebeling, der das Programm vorerst auf Vorstandsebene selbst verantwortet. Auf der To-do-Liste ganz oben stehen die Daytime und der Vorabend von Sat 1. Hier schwächelte der Sender zuletzt deutlich. Telenovelas wie „Anna und die Liebe" sind aus der Access Time verschwunden. Der Tag steht mit seinen Gerichtsshows auf dem Prüfstand. Eine finale Lösung haben Hörner und Sat-1-Geschäftsführer Joachim Kosack noch nicht parat. Deshalb wird nun breit ausprobiert, was auf die Sendeplätze kommen könnte. „Wir testen zahlreiche Piloten aus vielen verschiedenen Genres", sagte Hörner auf seinem ersten öffentlichen Auftritt in seiner neuen Funktion bei der Bilanz-PK von Pro Sieben Sat 1. Das Spektrum reicht von Quiz über Reality bis zu einer Soap. Es gehe weniger darum, etwas völlig Neues zu erfinden, als das Bekannte neu zu erzählen, so Hörner.

Die derzeit pilotierten Formate werden zum Großteil erst in der zweiten Jahreshälfte sichtbar werden. Ebeling und Hörner wollen der harten Konkurrenz durch Olympische Spiele und Fußball-Europameisterschaft ausweichen und erst danach mit den neuen Formaten starten.

In der Primetime sehen die Manager den Sender dagegen bereits gut aufgestellt. Hier habe Bartl, der sich nun mit Bartl Media selbstständig macht, "wertvolle Pionierarbeit geleistet". "Die Rache der Wanderhure", die Anfang der Woche lief, holte rund 8 Millionen Zuschauer. Starten werden dieses Jahr noch weitere erfolgsversprechende Formate wie die Ken-Follett-Verfilmung „Die Tore der Welt", die neue Show mit Linda de Mol „The Winner is" und die 2. Staffel des Überraschungserfolgs „The Voice of Germany".

Der Sender soll zudem weiter als führender Anbieter von deutscher Fiktion profiliert werden.  Insgesamt hat die Gruppe rund 200 Formate in der Entwicklung. Davon dürfte ein Großteil auf Sat 1 entfallen, das den mit Abstand höchsten Anteil an Eigenproduktionen aufweist. In Entwicklung sind 61 Formate in der Fiktion, 65 im Bereich Entertainment, 35 in Reality sowie 22 in der Sparte Factual, unter die zum Beispiel „Galileo" fällt. Rund 400 Millionen Euro investiert der Konzern laut Hörner in deutsche Produktionen und ist damit einer der wichtigsten Auftraggeber für die hiesige Produzentenlandschaft. Insgesamt sind die Programmausgaben 2011 im Vergleich zum Vorjahr jedoch konstant geblieben.

Sat 1 soll perspektivisch auf über 11 Prozent Marktanteil kommen. Es ist in der Vermarktung der Gruppe der wichtigste Sender, bei dem sich Zuwächse im Zuschauermarkt besonders gut kapitalisieren lassen. 2010 holte der Sender jedoch nur 10,6 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen - trotz vieler Piloten war das 0,1 Prozentpunkte weniger als 2011. Im Januar rutschte der Sender dann gar unter die 10-Prozent-Marke. Im Februar lag er - nicht zuletzt dank der „Wanderhure" jedoch wieder bei 10,6 Prozent.

Gelingt Hörner mit Kosack die Steigerung des Marktanteils, dann könnte er im kommenden Jahr wohl auch in den Vorstand einziehen. pap
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