Wie Hubert Burda die digitale Welt sieht: Politik und Verlage in der Pflicht

Freitag, 29. Juni 2012
Hubert Burda
Hubert Burda

Er gehört zweifellos zu den prominentesten Köpfen der deutschen Medienbranche: Hubert Burda. Gerade erst wurde er zum sechsten Mal zum Präsidenten des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger gewählt, in der kommenden Amtszeit will er den Dialog mit der Politik intensivieren. Warum sie mehr für die Verlage tun muss - und wo die Medienhäuser selbst in der Pflicht stehen, hat Burda jetzt in einem Gastbeitrag in der "Zeit" erklärt. Die Grundthese ist schnell erklärt: Durch die Digitalisierung verändern sich "Medien, Märkte und Menschen", so Burda. Dabei sind die Rivalen nicht mehr andere Verlage, sondern Google, Apple und Facebook. Allerdings die Politik hinkt noch hinterher, obwohl eine "neue politische Ordnung für die Medienwelt" längt überfällig sei. Doch jetzt macht sie erste wichtige Schritte.

Der erste ist der jüngst vorgestellte Gesetzesentwurf für ein Leistungsschutzrecht. Durch ihn gebe es "Hoffnung, dass eine klaffende Lücke im deutschen Urheberrecht endlich geschlossen wird", so Burda. Das Geschäft, das Aggregatoren und Suchmaschinen basierend auf journalistischen Onlineinhalten machen, belastet seiner Meinung nach die Verlage. Daher sei ein Leistungsschutzrecht "dringend nötig, um die schleichende Enteignung der Inhalte-Produzenten aufzuhalten". Ein Ende der Internetfreiheit, wie Kritiker es fürchten, sieht Burda nicht.

Auch die Reform des EU-Datenschutzes, die von der EU-Kommissarin Viviane Reding vorangetrieben wird, hält Burda für ein wichtiges und richtiges Ziel. Die Richtlinie sieht vor, dass auch Unternehmen, die außerhalb der EU sitzen, bei Angeboten, die sich an EU-Bürger richten, den europäischen Datenschutzregeln unterliegen. Mit dieser Regelung würden nicht nur Wettbewerbsnachteile europäischer Unternehmen beseitigt, sondern auch ein europaweit einheitliches Datenschutzniveau für die Nutzer garantiert, schreibt Burda.

Weiteres Lob gibt es von Burda für den Vorstoß der EU-Kommission gegen Google. Angeblich soll Google eigene Dienste bevorzugt in den Suchergebnissen anzeigen - und damit wettbewerbsverzerrend agieren. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia fordert nun von Google, Änderungsvorschläge für diese Praktiken vorzulegen, sonst drohen Geldstrafen. Damit hätte die EU-Kommission erkannt, "wie wichtig eine faire Suche für das Ökosystem Internet ist", so Burda.

Dass Burda als VDZ-Präsident diese Linie vertreten muss, ist klar - schließlich tut er das bereits seit Jahren und mit Vehemenz. Wichtig ist im "Zeit"-Kommentar jedoch vor allem der letzte Teil, denn in diesem rückt Burda wieder ein wenig von der Politik ab und nimmt die Verlage in die Pflicht: "In erster Linie liegt es aber an uns selbst, ob wir in der digitalen Welt reüssieren", so Burda. Die Verlage müssen auch online ihre Chancen nutzen und dürfen dennoch den Erfolg der gedruckten Zeitschriften nicht aus den Augen verlieren. Denn nur, wenn die Verlage beides erfolgreich miteinander verbinden, schreibt Burda, "haben sie beste Voraussetzungen, zu den Gewinnern der Digitalisierung zu gehören". sw
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