Wie HDTV die Geschäftsmodelle beeinflussen kann

Freitag, 27. November 2009
Seit der IFA in Berlin boomt HDTV (Foto: Messe Berlin)
Seit der IFA in Berlin boomt HDTV (Foto: Messe Berlin)

Spätestens seit der diesjährigen Internationalen Funkausstellung in Berlin erlebt das hochauflösende Fernsehen HD-TV einen Boom. Der lange herbeigeredete Markt scheint mit steigender Gerätepräsenz nunmehr da zu sein. Pay-TV-Betreiber Sky, Satellitenanbieter Astra und nun auch Kabel BW gehen mit eigenen Paketen in den Markt. Die ersten Free-TV-Sender bieten verschlüsselte - und kostenpflichtige - HD-Ableger via Astra an. Telekoms T-Home sendet "Liga Total" ebenfalls in HD. Die Berater von Mücke, Sturm & Company in München haben Chancen und Risiken für die verschiedenen Player ermittelt. Öffentlich-rechtliche Sender: Für die Programmanbieter bedeutet die Übertragung in HD Mehrkosten. ARD und ZDF können diese Kosten für HD via Gebühren refinanzieren. Sie können HD den Standard damit in Deutschland vorantreiben und ihn auch zur Profilierung ihrer Sendermarken nutzen. Soie wollen 2011 in den Regelbetrieb gehen.

Werbefinanzierte TV-Sender: Senden die ersten Kanäle nur noch im hochauflösenden Standard, geraten die übrigen Konkurrenten unter Druck: Kann der Zuschauer beide Übertragungsstandards erst einmal direkt miteinander verlgeichen, bevorzugt er möglicherweise die HD-Kanäle. Sinkende Quoten würden jedoch zu sinkenden Werbeeinnahmen führen. Die Nicht-HD-Sender müssten nachziehen, um sich zu behaupten. Angesichts der hohen Kosten rät Mücke, Sturm den werbefinanzierten Sendern trotzdem "Follower" zu sein. HD plus, Astras kostenpflichtige Plattform für Free-TV-Sender, biete diesen jedoch  eine Chance, zumindest einen Teil der Kosten zu refinanzieren und könnte auch einen Einstieg in den Pay-TV-Markt ermöglichen.

Pay-TV-Anbieter: Allen voran Sky kann das Sky-HD-Paket direkt refinanzieren. Mittelfristig geht Mücke, Sturm jedoch davon aus, dass die HD Sender in die übrigen Senderpakete eingebunden werden. "Gebühren für HD-Inhalte sind nur solange zu rechtfertigen, wie nicht die marktanteilsstarken frei empfangbaren Sender in HD verfügbar sind und HD ein echter Differenzierungsfaktor ist", begründen sie die Einschätzung.

Satelliten-Betreiber: Der für Deutschland relevante Betreiber Astra kann unmittelbar von einer Einführung von HD profitieren. Die Kosten können über die Einnahmen aus der Vermietung von Transponderkapazität refinanziert werden. Außerdem hat Astra nun die Chance über HD plus direkte Kundenbeziehungen aufzubauen.

Kabel- und IPTV-Anbieter: Die Investitionskosten sind auch hier hoch und können nur zu einem kleinen Teil an die Kunden weitergereicht werden. Solange VDSL-Anschlüsse für die HD-Übertragung notwendig sind, und diese nicht deutschlandweit verbreitet sind, ist dies für denn Massenerfolg von IPTV ein ernstes Problem - und damit für die IPTV-Anbieter. Mücke, Sturmrät den Kabel- und IPTV-Betreibern Astra schnell zu folgen, "um sich nicht obsolet" zu machen.  pap

Zahlen zur Entwicklung des HDTV-Angebots finden Sie in HORIZONT 48/2009 vom 26. November 2009.
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