Wie Dominik Wichmann beim "Stern" das Ruder übernimmt

Montag, 14. Januar 2013
Dominik Wichmann steigt beim "Stern" auf
Dominik Wichmann steigt beim "Stern" auf

Wachwechsel beim Flaggschiff: Gruner + Jahr verkündet die Choreographie und das Timing der seit langem erwarteten Stabübergabe bei seinem wichtigsten und umsatzstärksten Titel „Stern". Dominik Wichmann, seit Juli 2011 Stellvertreter der Doppelspitze Thomas Osterkorn und Andreas Petzold, wird ab sofort bis Ende April dritter gleichberechtigter Chef des Wochenmagazins. Am 1. Mai schließlich wechseln Osterkorn und Petzold auf den Herausgeberposten - ab dann ist Wichmann alleiniger Chefredakteur des „Stern". Seit anderthalb Jahren hat sich Wichmann, 41, für seine neue Aufgabe in Hamburg warmgelaufen. Osterkorn und Petzold, nunmehr seit fast 14 Jahren gemeinsam an der „Stern"-Spitze, hatten ihn im Sommer 2011 vom „SZ Magazin" geholt, dessen Chefredakteur er bis dato elf Jahre war. Damit wollten sie frühzeitig den Generationswechsel - also auch ihren eigenen Abgang - selbst vorbereiten. Insofern ist es keine Überraschung, dass Wichmann neuer „Stern"-Chef wird; nur das genaue Timing war bis jetzt offen.

Wer mag, kann nun darüber spekulieren, ob der Wechsel im G+J-Vorstand den Prozess beschleunigt hat. Im September hatte Julia Jäkel den früheren CEO Bernd Buchholz als Deutschland-Vorstand beerbt und seitdem einige Schlüsselpositionen spektakulär schnell umbesetzt, etwa die Chefredaktionen von „Brigitte" und „Gala" sowie im Digitalgeschäft.

Thomas Osterkorn und Andreas Petzold (r.)
Thomas Osterkorn und Andreas Petzold (r.)
Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie Osterkorn und Petzold ermuntert hat, ihre Stabübergabe etwas vorzuziehen, zumal beiden zuletzt bisweilen Amtsmüdigkeit nachgesagt wurde und der „Stern" auch schon einmal in besserer Form war, bei der Auflage und redaktionell. „Immer wieder überraschend", meinen die einen - „beliebig und irrelevant", sagen andere. „Nach alter Schule produziert", so die einen; „verkrustete Strukturen", so die anderen. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat der „Stern" ein Fünftel seiner verkauften Auflage verloren. Zuletzt lag sie bei 811.640 Heften (IVW III/2012), 5 Prozent unter Vorjahr.

Der jetzt verkündete Fahrplan verschafft dem langjährigen - und über die 14 Jahre betrachtet auch sehr erfolgreichen - Spitzenduo einen stilvollen Abgang: Bis Ende des Jahres kümmern sich beide als Herausgeber um den „Stern" und seine Ableger („Neon", „Nido", „View", „Stern gesund leben", „Viva!"), ab 2014 dann nur noch Petzold, 57, alleine. Osterkorn, 59, dagegen verlässt den „Stern" zum 1. Januar 2014 mit Vollendung seines 60. Lebensjahrs. Er wird dann „Chefredakteur für Sonderaufgaben und journalistischer Berater des G+J-Vorstands Deutschland", so der Verlag. In dieser Rolle soll er mit der Chefredaktion die Initiativen des „Stern" betreuen, etwa den Henri Nannen Preis und „Jugend forscht".

Osterkorn, der seit 1986 beim „Stern" arbeitet, und Petzold, der zuvor Chefredakteur von „Hörzu" und „Allegra" war, hatten im Sommer 1999 die Führung des G+J-Flaggschiffs übernommen. Nachfolger Wichmann absolvierte eine Redakteursausbildung an der Berliner Journalistenschule und studierte anschließend Politik, Amerikanistik und Philosophie in München und Harvard. Man darf erwarten, dass er den „Stern" im Frühjahr umfassend relauncht; auch ein Umbau der Redaktion gilt als wahrscheinlich. Deutschland-Vorstand Julia Jäkel erwartet von Wichmann jedenfalls, dass er den Titel „antreiben" werde: Der „Stern" müsse „informieren, provozieren und unterhalten, er muss Krach machen und leise berühren". rp
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