Wie CEO Rabe Bertelsmann fit für die Börse machen will

Mittwoch, 28. März 2012
Thomas Rabe ist seit Anfang Januar CEO von Bertelsmann
Thomas Rabe ist seit Anfang Januar CEO von Bertelsmann
Themenseiten zu diesem Artikel:

Bertelsmann RTL Arvato Thomas Rabe Berlin RTL Group Amtsantritt



Bei seinem ersten großen Auftritt seit Amtsantritt im Januar 2012 hat Bertelsmann-CEO Thomas Rabe seine Wachstumsstratgie vorgestellt. In den kommenden fünf bis zehn Jahren will der Manager den Konzern schrittweise umbauen. "Bertelsmann soll wachstumsstärker, digitaler, breiter aufgestellt und internationaler werden", sagte er auf der Bilanz-Pressekonferenz in Berlin. Der Konzern, der plant seine Rechtsform zu ändern, um Geld über den Kapitalmarkt aufnehmen zu können, braucht eine gute Story für einen möglichen Börsengang. Rabe hat nun vier Stoßrichtungen formuliert. 1) Konsolidierung und Stärkung des Portfolios

In den vergangenen Jahren hat Bertelsmann Geschäfte mit einem Umsatzvolumen von rund 5 Milliarden Euro verkauft, darunter auch die Buchclub-Geschäfte der Direct Group, die als Keimzelle des Konzerns gelten. Der aktuelle Umsatz liegt nunmehr nur noch bei 15,3 Milliarden Euro. Diese Portfoliobereinigung ist in großen Teilen abgeschlossen, auch wenn Rabe weitere Verkäufe nicht kategorisch ausschließt. Die letzte große Entscheidung fiel Anfang des Jahres: Der Konzern hat angekündigt, den Druckbereich in einer eigenen Sparte neben RTL Group, Gruner + Jahr, Random House und Arvato zu bündeln.

2) Digitale Transformation

"Die Digitalisierung verändert unsere Angebote nicht nur, sie macht sie nach meinem Dafürhalten auch werthaltiger", sagt Rabe. Der Konzern will weiter an neuen digitalen Erlösmodellen und Angeboten arbeiten. Damit dies gelingt, fordert Rabe aber auch ein starkes Urheberrecht, das die Position der Rechteinhaber stärkt.

Die RTL Group und auch der Buchverlag Random House arbeiten auf Hochtouren an Modellen, mit denen sich auch in der digitalen Welt Geld verdienen lässt. Der bei RTL scheidende CEO Gerhard Zeiler ist zuversichtlich mit den TV-Inhalten auch im Netz gut aufgestellt zu sein. Getreu dem Motto "Move with the audience" bietet die Gruppe die Inhalte auf allen Plattformen an. 2011 verzeichnete RTL in ganz Europa rund 1,9 Milliarden Videoabrufe.

Ähnlich optimistisch ist Markus Dohle, CEO von Random House. Im Jahr 2011 hat das Unternehmen rund 40 Millionen E-Books verkauft. In den USA tragen diese Verkäufe schon 20 Prozent zum Umsatz bei. Entsprechend wichtig bewertet Dohle, die richtigen Autoren zu haben. Zudem legt er Wert darauf, neue digitale Produkte zu entwickeln, aber auch den stationären Handel nicht zu vernachlässigen.

3) Auf- und Ausbau von Wachstumsplattformen

Bertelsmann arbeitet daran, neue Geschäftsfelder zu erschließen und hat dazu auch ein eigenes Vorstandsressort „Unternehmensentwicklung und Neugeschäfte" eingerichtet, dem Thomas Hesse vorsteht. Hesse gilt neben Rabe als der neue starke Mann in Gütersloh. In seine Verantwortung fällt zum Beispiel die Musikverlagstochter BMG. „Es entspricht auch unseren Investitionskriterien, die wir für neue Geschäfte definiert haben", sagt Hesse. Diese sind demnach: langfristiges Wachstumspotenzial, geringe Zyklizität, ein globales Geschäftsmodell, fit für die digitale Revolution, ein skalierbares Geschäft, bei dem das Ergebnis überproportional zum Umsatz wächst sowie Konsolidierungsmöglichkeiten im Markt.

Auch im Bereich Education will Bertelsmann weiter Fuß fassen und hat dazu mit Partnern den University Ventures Fond gegründet, der über ein Volumen von 100 Millionen Euro verfügt. Er soll sich besonders um den Bereich berufliche Ausbildung und Hochschulbildung kümmern. Das Marktvolumen wird auf über eine Billion US-Dollar geschätzt. "Mittelfristig planen wir sechs bis zehn Investments", sagt Hesse.
Auch die Dienstleistungssparte Arvato profitiert von der Digitalisierung. Besonders viel verspricht sich die Bertelsmann-Tochter vom Bereich E-Commerce. Hier bietet Arvato Lösungen für E-Commerce-Unternehmen an. Das Spektrum reicht von Webshop-Design über Suchmaschinenoptimierung bis hin zu Bezahlungssystemen und der logistischen Abwicklung von Bestellungen.

Auch beim Software-Vertrieb über das Internet ist Arvato tätig. Unternehmen wie Microsoft und Best Buy nutzen die Dienste. "Solche Dienstleistungen sind ein wesentlicher Wachstumstreiber für Arvato", sagt Arvato-CEO Rolf Buch.

4) Expansion in Wachstumsregionen

Im Moment hängt Bertelsmann noch stark vom Europageschäft ab. Rund 80 Prozent des Umsatzes kommen aus der Region, die auch längerfristig nicht stark wachsen wird. Entsprechend konzentriert sich Rabe mit dem Vorstand auf den Ausbau des Auslandsgeschäftes. Besonders Augenmerk legt der Konzern dabei auf die wachstumsstarken Staaten China, Indien und Brasilien. Nachdem bereits Corporate Center in Peking und Neu Dehli bestehen, ist nun eines in San Paulo in Planung. Diese Regionen bieten "attraktive Perspektiven hinsichtlich Konjunktur, Kaufkraft und Mediennutzung", so Rabe.

Bertelsmann ist bereits mit verschiedenen Unternehmensbereichen in den Regionen präsent, beispielsweise mit Gruner + Jahr in China und Indien und der RTL Group in Indien. "Unsere Geschäfte in diesen Ländern sind sehr profitabel und weisen starkes - im Wesentlichen organisches - Wachstum aus", sagt G+J-Vorstand Bernd Buchholz.

Aufbruchstimmung in Gütersloh

Die detaillierte Strategie will Rabe bis zum Management-Meeting im September vorlegen. In den wenigen Monaten seit seinem Amtsantritt hat er bereits eine Menge angepackt. Mit dem Group Management Committee  hat er ein Gremium geschaffen, dass Manager aus unterschiedlichen Regionen und unterschiedlichen Geschlechts vereint und das den Vorstand beraten soll. In den Sitzungen wie auch  im Konzern insgesamt sei eine spürbare Aufbruchsstimmung zu verspüren, berichten Mitglieder. Rabes Vorgänger Ostrowski war wegen eines drohenden Burn-outs nicht für eine weitere Amtszeit angetreten und galt zum Ende hin als wenig motiviert.

Der "frische Wind" zeigt sich auch an anderen Stellen: Es gilt als Zeichen, dass mit Anke Schäferkordt, Chefin der Mediengruppe RTL Deutschland, Mitte April auch eine Frau in den Bertelsmann-Vorstand einzieht. Sie löst dort Gerhard Zeiler ab, der nach der RTL-Hauptversammlung am 18. April sein Amt abgibt. Die CEO-Geschäfte bei der RTL Group wird sich Schäferkordt jedoch mit Guillaume de Posch teilen.

Rabe genießt bei seinem Umbau die volle Rückendeckung der Eigentümerfamilie Mohn. Er habe den größten Freiraum, den ein Vorstandsvorsitzender in den vergangenen Jahren gehabt habe, heißt es. Rabe soll Bertelsmann wenn schon nicht zu alter Größe, so doch zu einem der wichtigsten Player im Medienbusiness aufbauen. Anfang des Jahrtausends war Bertelsmann der weltweit größte Medienkonzern.

Den Bertelsmann-Vorstand versucht Rabe, der bislang CFO des Konzerns war, geschlossen auf die neue Linie einzuschwören. Als Zeichen nach außen präsentierten erstmals alle Vorstände bei der Pressekonferenz Entwicklungen aus ihrem Bereich. Für die noch vakanten Posten des Finanzchefs sucht Rabe daher zu vorderst auch jemanden, der ins Team passt und die neue Strategie mitträgt. "Persönliche Passfähigkeit ist für mich der wichtigste Punkt." pap
Meist gelesen
stats