Widerstand gegen den Klarnamenzwang bei Google +

Dienstag, 06. September 2011
Laut Nutzungsbedingungen müssen Tom und Jessica bei Google + ihre echten Namen angeben
Laut Nutzungsbedingungen müssen Tom und Jessica bei Google + ihre echten Namen angeben

Mehrere Blogger - darunter Sascha Lobo - und Politiker haben sich in einem offenen Brief an Googles-Europachef Philip Schindler gegen den Klarnamenzwang in dem sozialem Netzwerk Google + ausgesprochen. Die Unterzeichner widersprechen Googles Behauptung, dass ein Verbot von Pseudonymen das Kommunikationsniveau auf der Plattform heben und Spam verhindern könne. Gemeinsam mit Lobo wendeten sich die Bundestagsmitglieder Dorothee Bär (CSU), Lars Klingbeil (SPD) und Jimmy Schulz (FDP) an Schindler, außerdem sind der Journalist Peter Glaser und der Blogger Nico Lumma unter den insgesamt 29 Unterzeichnern des Schreibens. Die Gruppe argumentiert, dass Menschen mit privaten Problemen, Prominente sowie Kinder, Lehrer und politische Akteure im Netz nicht immer öffentlich sein könnten beziehungsweise wollten. Zudem ermögliche die Nutzung eines Pseudonyms die freie Meinungsäußerung ohne die Furcht vor Konsequenzen - dies sei essentiell für die freie Meinungsbildung in einer Demokratie. Missbrauch könne durch ein Meldeverfahren ein Riegel vorgeschoben werden.

Die Aktivisten regen an, für Google + jene Nutzungsbedingungen zu übernehmen, wie sie auch für ein normales Google-Konto gelten. Demnach ist die Nutzung auch unter einem Pseudonym möglich. Lobo und Konsorten sehen sich durch das Telemediengesetz (TMG) bestätigt, welches die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym erlaubt, sofern dies technisch möglich und zumutbar sei.

Die Unterzeichner wollen ihren offenen Brief jedoch nicht als öffentlichkeitswirksame Breitseite verstanden wissen, sondern bitten Schindler vielmehr um einen Dialog: "Wir laden Sie darüber hinaus herzlich zu einem Hintergrundgespräch ein, bei dem wir unsere Standpunkte austauschen können, eventuell Missverständnisse audräumen und auch sondieren können, welche vermittelnden Optionen es gibt." ire
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