Wettbewerbsverzerrung bei Onlinevideo: Kartellamt prüft Datendrosselung der Telekom

Mittwoch, 15. Mai 2013
Das Bundeskartellamt beschäftigt sich mit den Drosselungsplänen der Telekom
Das Bundeskartellamt beschäftigt sich mit den Drosselungsplänen der Telekom


Die Pläne der Deutschen Telekom das monatliche Datenvolumen zu begrenzen, rufen nun auch das Kartellamt auf den Plan. Der Telekommunikationskonzern will die monatliche Datenmenge ab frühstens 2016 auf 75 Gigabyte begrenzen. Ist diese überschritten, wird die Geschwindigkeit auf 384 Kilobit pro Sekunde reduziert oder es fallen Mehrkosten an, die Telekom-Chef René Obermann auf 10 bis 20 Euro im Monat beziffert hat. Davon betroffen wären vor allem Onlinevideotheken wie Amazons Lovefilm und Maxdome von Pro Sieben Sat 1, aber auch Mediatheken der TV-Sender, die dort ihre Serien und Spielfilme einstellen, und Streaming-Dienste wie Zattoo. Vor allem Nutzer von Filmen im hochauflösenden HD-Format kämen schnell an ihre Grenzen. Ausgenommen soll von der Tarifanpassung ausgerechnet das Telekom-eigene IPTV-Angebot Entertain sein - eine Entscheidung, die nun das Kartellamt auf den Plan ruft.

Laut "Focus Online" habe die Behörde bereits Anfang Mai, kurz nach der Ankündigung, Fragen an die Telekom zu den Drosselungsplänen gestellt. "Wir schauen uns den Sachverhalt genauer an", bestätigte Kartellamstchef Andreas Mundt dem Nachrichtenportal. Ein Telekom-Sprecher begründete die Ausnahme von Entertain damit, dass die Kunden extra für den Dienst bezahlen. Deshalb sei es gerechtfertigt, das Übertragungsvolumen von Entertain nicht anzurechnen. Hauseigene Angebote wie Videoload sollen dagegen angerechnet werden.

Die Pläne waren von vielen Seiten kritisiert worden, unter anderem von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Die Haltung der Politik ist in diesem Punkt besonders interessant - ist der Bund doch direkt und indirekt über die Kreditanstalt für Wiederaufbau der größte Anteilseigner der Telekom.

Derzeit wären von der Drosselung laut Obermann nur 3 Prozent der Kunden betroffen. Da sich gerade der Bereich Onlinevideo jedoch rasant entwickelt, könnte sich die Extra-Abrechnung der Datenvolumen oberhalb von 75 Gigabyte zu einer lukrativen Einnahmequelle etablieren. pap
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