"Werden es nicht versauen": Warum Yahoo so große Hoffnungen in Tumblr setzt

Dienstag, 21. Mai 2013
Der Kauf von Tumblr ist die erste große Übernahme von Yahoo-CEO Marissa Mayer
Der Kauf von Tumblr ist die erste große Übernahme von Yahoo-CEO Marissa Mayer


"Wir versprechen, es nicht zu versauen": Die Erklärung, mit der Yahoo die Pressemitteilung zur Übernahme des Blogging-Dienstes Tumblr einleitet, lässt erahnen, wie wichtig der Deal für das Unternehmen ist. Tumblr, mit dem Nutzer Texte, Bilder oder Videos auf eigenen Mikro-Blogs veröffentlichen können, soll Yahoo mehr junge Nutzer zuführen und so mehr Werbekunden anlocken. 1,1 Milliarden Dollar legt der einstige Internet-Pionier für Tumblr auf den Tisch, das als eigenständiges Unternehmen unter CEO David Karp weiterbestehen soll.
Auf diese Weise sollen sich das Produkt und die User-Experience möglichst nicht verändern. Die Übernahme solle in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen sein, wie Yahoo mitteilt. Zwar gebe es zwischen Yahoo und Tumblr viele Unterschiede, gleichzeitig aber auch jede Menge Gemeinsamkeiten, erklärte Yahoo-CEO Marissa Mayer. "Beide Firmen bieten Marken ein Zuhause - etablierten und wachsenden. Und sowohl bei Tumblr als auch bei Yahoo dreht sich alles um User, Design und um das Besondere und Inspirierende im Alltäglichen." Nach Unternehmensangaben wird Tumblr monatlich von 300 Millionen Unique Visitors genutzt, die jede Sekunde 900 neue Posts beisteuern. Besonders bei jungen Onlinern erfreut sich die 2007 gegründete Platform großer Beliebtheit.

Und genau hier liegt die Hoffnung von Yahoo: Denn besonders attraktiv wird Tumblr dadurch, dass der Dienst von der Hälfte seiner User mobil genutzt wird. Eine aktive und schnell wachsende User-Gemeinde, so die Hoffnung bei Yahoo, könne die Position von Yahoo im Mobil-Bereich gegenüber Facebook und Google verbessern. Gleichzeitig soll diese große Reichweite - gepaart mit der Vermarktungsexpertise von Yahoo - mehr Werbekunden auf die Plattform locken. Der Tumblr-Deal soll die Nutzerzahl von Yahoo um etwa 50 Prozent in die Höhe treiben - auf mehr als eine Milliarde Nutzer monatlich. Der Traffic soll so um 20 Prozent gesteigert werden.

Der Milliarden-Deal ist allerdings nicht ohne Risiko: Analysten halten den Kaufpreis für zu hoch. Denn Schätzungen zufolge nahm Tumblr im vergangenen Jahr nur rund 13 Millionen Dollar ein. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Vielmehr sei die Übernahme eine Wette auf die Zukunft: Sie sei als langfristiges Investment zu verstehen, was durchaus in die Strategie der neuen Yahoo-Chefin passe, sagte Analyst Mark Mahaney von RBC Capital Markets der Nachrichtenagentur Reuters. Außerdem befürchten Experten, dass sowohl die Vielzahl an pornografischen Inhalten auf Tumblr hochkarätigen Werbekunden ein Dorn im Auge sein könnte.

Yahoo hatte in den vergangenen Jahren darunter gelitten, gegenüber Internet-Giganten wie Google und Facebook stets an Boden verloren zu haben. Sowohl Umsatz als auch Nutzerzahl von Yahoo verhielten sich rückläufig. Nach ihrem Amtsantritt im Juli 2012 setzte CEO Marissa Mayer deswegen auf die Stärkung des Mobile-Bereichs sowie auf Rekrutierung junger Talente. ire
Meist gelesen
stats