Werbung wird häufig nicht sauber getrennt / Presserat erteilt 15 Rügen

Freitag, 03. Dezember 2010
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Der Deutsche Presserat sprach auf seiner Tagung insgesamt 15 Rügen aus. In elf Fällen haben Zeitschriften gegen die Trennungsregel von Werbung und redaktionellem Inhalt verstoßen. Der "Berliner Kurier" und die Zeitschriften "TV 14" und "TZ-Online" wurden wegen Schleichwerbung gerügt. "Bild" und Bild-Online erhielten eine öffentliche Rüge wegen eines Verstoßes gegen das Persönlichkeitsrecht. Die Frauenzeitschriften "Alles für die Frau", "Das Neue" und "Das neue Blatt", "Freizeitwoche", "Laura", "Mach mal Pause" und "Tina" aus dem Bauer-Verlag sowie "Die neue Frau", "Heim und Welt" und "Lea" aus der Klambt-Gruppe wurden gerügt, weil sie redaktionell gestaltete Anzeigen nicht ausreichend gekennzeichnet hatten. Laut Pressekodex muss die Trennung von Anzeige und redaktionellem Inhalt für den Leser deutlich erkennbar sein. Der Presserat sah in diesen elf Fällen einen eindeutigen Verstoß gegen den Kodex.

In drei Fällen stellte der Presserat Schleichwerbung fest. Die Tageszeitung "Berliner Kurier" berichtete über eine Mittelmeerkreuzfahrt und gab gezielt nur einen Anbieter dafür an. "TV 14" schrieb in einem Artikel über Folsäuremangel und nannte nur ein Präparat für die Behandlung. "TZ-Online" nannte in einem Bericht über Rückenoperationen explizit einen behandelnden Arzt. Der Presserat begründet seine Entscheidung damit, dass dem Leser keine weiteren Vergleichsmöglichkeiten angeboten werden und kein erkenntlicher Grund vorliege, speziell diese Produkte beziehungsweise Angebote hervorzuheben.

Wegen des Verstoßes gegen das Persönlichkeitsrecht muss sich die "Bild-Zeitung" verantworten. Sie veröffentlichte ein Bild eines Mordopfers mit dem Zusatz "Drogen-Baron" und behauptete, es hätte in Verbindung mit einem Drogenzirkel gestanden. Der Beschwerdeausschuss sah diese identifizierende Darstellung nicht als gerechtfertigt und sah darin kein öffentliches Interesse. Da die Vorwürfe nicht hinreichend überprüfbar sind und die Hinterbliebenen deswegen weiteren Schade tragen könnten, sah er eine öffentliche Rüge für angemessen.

In zwei Beschwerdeausschüssen wurden insgesamt 81 Beschwerden überprüft. Neben den Rügen sprach der Presserat 16 Missbilligungen und 19 Hinweise aus. 29 Beschwerden wurden abgelehnt. Eine konnte nicht aufgeklärt werden und bei einer anderen verzichtete der Beschwerdeausschuss auf weitere Maßnahmen. hor
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