Werbeverbot bei ARD und ZDF als Entlastung für private Sender gefordert

Donnerstag, 17. Oktober 2002

Auf den Münchner Medientagen sehen sich die öffentlich-rechtlichen TV-Sender mit der Forderung nach einem Werbeverbot konfrontiert. Während ARD und ZDF auch in der Krise im "Gebührenhimmel" säßen, seien bei den Privatsendern Arbeitsplätze in Gefahr, sagte Jürgen Doetz, Präsident des privaten Rundfunkverbandes (VPRT).

Auch Bayerns oberster Medienwächter Wolf-Dieter Ring und Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderten weniger Werbung bei den Öffentlich-Rechtlichen. "Das Duale System kann gefährdet werden, wenn die Werbeeinnahmen so massiv runter gehen", sagte Stoiber. Bei privaten Sendern könne das an die Existenz gehen. Statt ihre Werbe- und Online-Aktivitäten immer mehr auszuweiten, sollten sich die Öffentlich-Rechtlichen auf ein qualitativ hochwertiges Programm konzentrieren, forderte Stoiber.

ARD und ZDF wiesen die Forderungen erwartungsgemäß zurück. Die Mischfinanzierung habe sich bewährt und müsse erhalten bleiben, sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen. Da einschneidende Veränderungen bei den ARD-Sendern und dem ZDF aus finanziellen und politischen Gründen nur schwer durchsetzbar sind, wollen die Medienwächter den Hebel nun zunächst bei den Radiosendern ansetzen. Hier gebe es große Ungleichgewichte, sagte Ring. Während beispielsweise der NDR 60 Minuten Werbung pro Tag senden darf, sind es beim Bayerischen Rundfunk mehr als doppelt so viel.

Um einen völligen Wegfall der Werbeeinnahmen auszugleichen, müssten die Rundfunk-Gebühren laut Ring nur um 25 Cent erhöht werden. Den Privatsendern, die ebenfalls stark unter den Werberückgängen leiden, würde damit nach Rings Einschätzung aber deutlich Luft verschafft.
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