Wende im Bundesliga-Poker: Dieter Hahns KF15 verzichtet auf Angebot

Mittwoch, 04. April 2012
Gut 412 Millionen Euro pro Saison verdient die DFL mit den Bundesliga-Rechten
Gut 412 Millionen Euro pro Saison verdient die DFL mit den Bundesliga-Rechten


Im Poker um die Bundesliga-Rechte gibt es einen Bieter weniger: Die Firma KF15 und deren Sportrechtetochter Sirius verzichten auf ein Angebot für die Fernseh- und Internetrechte. Die Unternehmen des verstorbenen Medienmoguls Leo Kirch hatten einen unabhängigen Bundesliga-Sender anvisiert. Doch der Kabel- und Telekommunikationsbranche fehle es dafür an Investitionsbereitschaft, sagte KF15-Geschäftsführer Dieter Hahn gegenüber dem "Handelsblatt".
"Im derzeitigen Markt bei den Kabelnetz- und Telekommunikationsunternehmen gibt es keine ausreichende Zahlungsbereitschaft für einen unabhängigen Bundesligakanal, wie wir ihn bereits 2007 gemeinsam mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) geplant hatten. Deshalb haben wir uns gegen ein Angebot für die Medienrechte der Fußball-Bundesliga entschieden", so  Dieter Hahn wörtlich. Vor fünf Jahren wollten Leo Kirch und die DFL über Sirius einen eigenständigen Bundesliga-Kanal etablieren und gewinnbringend weitervermarkten. Das Vorhaben scheiterte jedoch am Einspruch des Bundeskartellamtes.

Von den Kabelnetzbetreibern kommt Unterstützung für Hahns Entscheidung. Man wolle sich einen Bundesligasender nicht mit der Telekom teilen sondern bevorzuge stattdessen exklusive Rechte, zitiert das "Handelsblatt" aus Branchenkreisen. Die Telekom hatte jüngst bekannt gegeben, für alle Rechtepakete ein Gebot abzugeben. Weil das gut zu einem Drittel in Staatsbesitz befindliche Unternehmen jedoch nicht als Rundfunkveranstalter auftreten darf, könnte die Telekom ihre Lizenzen an Dritte weiterverkaufen.

Dieses Modell hat nach Einschätzung Hahns kaum Aussichten auf Erfolg: "In der heutigen äußerst intensiven Wettbewerbssituation wollen sich Kabelnetzbetreiber und Telekommunikationsunternehmen nicht auf eine nicht-exklusive Nutzung eines Bundesligakanals einlassen. Dafür ist der Wettbewerb zu hart geworden." Sollte die Telekom versuchen, Rechte per Sublizenz zu veräußern, könnte sie also bei potenziellen Partnern auf Granit beißen.

Für KF15 und Sirius bedeutet der Rückzug aus dem Bundesliga-Poker eine Neuausrichtung. Beide Unternehmen verfolgten keine eigenständige Sportrechtestrategie mehr: "In Zukunft wollen wir uns voll auf unsere Beteiligung Constantin Medien konzentrieren. Die Constantintin Medien hat ein sehr großes Sportgeschäft, und wir sehen viele Möglichkeiten, dies weiter zu stärken", gab Hahn zu Protokoll. KF15 hält rund 19 Prozent an dem Unternehmen, zu dem unter anderem der Sportsender Sport1 sowie die Sportrechteagentur Team gehören. ire
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