"Weltkunst": Wie Holger Christmann das wahre Luxusmagazin kreieren will

Dienstag, 29. Juni 2010
Die Jubiläumsausgabe von "Weltkunst"
Die Jubiläumsausgabe von "Weltkunst"

Mit 80 Jahren noch mal einen großen Sprung wagen? Holger Christmann macht genau das - wobei: Nicht er wird 80 Jahre alt, sondern das Magazin, dessen Chefredakteur er seit Ende 2009 ist. "Weltkunst", eine Zeitschrift über Kunst und Antiquitäten, ein Magazin für Händler, Sammler und Ausstellungspilger. Doch Christmann, früher mal Redakteur des G+J-Kunstmagazins "Art", dann Entwickler des Society-Magazins "Park Avenue", Lifestyle-Chef beim "Manager Magazin" und später Berater bei Burda, will mehr daraus machen: das "wahre Premium-Magazin für anspruchsvolle Leser mit Sinn für ästhetische Unterhaltung rund um die Welt der Kunst". Oder mit anderen Worten: die "Vogue" unter den Kunstmagazinen. In dieser Woche erscheint das Jubiläumsheft, mit 164 Seiten deutlich dicker als sonst, und mit einer höheren Druckauflage (20.000 Stück). Laut "Zeit"-Verlag, der das Magazin 2004 von Axel Springer (dort war es seit 1980 im Portfolio) übernommen hat, verkauft "Weltkunst" jeden Monat 12.000 Hefte - zum stolzen Copypreis von 11,80 Euro. Eine "kontinuierliche, deutliche Auflagensteigerung" strebt Christmann an. Titeloptik, Logo, Layout und Heftstruktur hat er bereits renoviert. Gibt es nun eine Obergrenze? Die 55.000 von "Art"? Christmann mag keine Zahlen nennen, aber man hört heraus: Eine Verdopplung auf an die 30.000 Hefte sollte eines Tages schon möglich sein. Und das 14 Mal pro Jahr: Wegen der vielen Kunstmessen gibt es im September und Oktober je zwei Ausgaben.

Nicht ausgeschöpfte Leserpotenziale sieht Christmann weniger bei der ohnehin begrenzten Stammklientel der Museumskuratoren, Kunstsammler und -händler, sondern bei jener Luxuszielgruppe, für die Kunst zur Ästhetik ihres Lebensstils gehört. Deshalb bringt er neben Portraits über Sammler auch Homestorys, Reise- und Modeberichte von und mit den Schönen und Stil-Ikonen dieser Welt. Der Modefotograf Mario Testino will unbedingt aufs Cover, Linda Evangelista durfte schon, Kate Moss darf bald und Wolfgang Joop gratuliert zum Jubiläum: Christmann erzählt das alles scheinbar beiläufig. Vielleicht kann man sagen, dass er mit "Weltkunst" nun das Blatt macht, das "Park Avenue" hätte werden sollen. Wenn es damals, 2005, nach ihm gegangen wäre. Wenn G+J damals nicht einen anderen als Chefredakteur geholt hätte.

Vorbei. Lange her. Heute geht es um "Weltkunst". Hier wollen Christmann und seine laut Impressum 10-köpfige Redaktion in München plus weltweite Korrespondenten Kunstthemen so aufbereiten, dass sie relevant sind für die Fachwelt - und interessant für die Luxusleser. Letztere sollen "Weltkunst" auch eine neue Anzeigenkundschaft neben den üblichen Kunsthändlern und Auktionshäusern erschließen: Modelabels etwa und Uhrenhersteller. Anzeigen füllen bereits 40 Prozent des Blattes. Im Jubiläumsheft, das von Events, Messe-Gewinnspielen und einer Werbekampagne im Pressehandel begleitet wird, ist etwa zum ersten Mal Louis Vuitton mit einer Doppelseite dabei. rp
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