"Welt am Sonntag" will Leserschaft verjüngen und geht ins TV

Mittwoch, 03. August 2005

Mit jüngeren Themen will Axel Springers Sonntagszeitung "Welt am Sonntag" den Altersschnitt der Leser senken. Derzeit beträgt das Durchschnittsalter der Leser 49 Jahre und liegt damit knapp über dem Bundesdurchschnitt von 48 Jahren. Jüngere Zielgruppen will der seit Mai vergangenen Jahres amtierende Chefredakteur Christoph Keese vor allem mit dem zum Relaunch im August 2004 eingeführten "Stil"-Buch erreichen. "Jüngere interessieren sich mehr für Feuilleton als für Politik", sagt er. Insbesondere die "Partnerschaft"-Seite in "Stil" komme gut an. Solange die werbungtreibende Wirtschaft die 14- bis 49-Jährigen als Maß aller Dinge betrachtet, will Peter Würtenberger, frisch gebackener Verlagsgeschäftsführer der Zeitungsgruppe Berlin, zu der die "Welt am Sonntag" gehört, an der Marschrichtung festhalten. Mit Erfolg konnte das Blatt bereits den Frauenanteil auf 38 Prozent steigern, der Anfang des Jahrtausends auf 34 Prozent gesunken war.

Entscheider haben den Relaunch ebenfalls honoriert. Laut Leseranalyse Entscheider erreicht die "Welt am Sonntag" jeden 10. Manager in Deutschland. Die Wirtschaftskomeptenz will die "Welt am Sonntag" auch durch neue Formate betonen. Die zu Jahresbeginn gestartete Gesprächsrunde "Management-Forum"bei der Keese vor Publikum einen wichtigen Unternehmenslenker interviewt, wird künftig einmal im Monat auch auf Deutschlandradio und N-TV übertragen. Der Radiosender überträgt eine Stunde live und später zwei Zusammenschnitte. N-TV bringt sonntags zwei halbstündige Zusammenschnitte der Interviews unter dem Label "Forum". Den Auftakt macht am 1. September der BASF-Chef Jürgen Hambrecht. Für die Dezember-Ausstrahlung hat Post-Vorstandsvorsitzender Klaus Zumwinkel zugesagt. Zum Jahresende werden die Partner über eine Fortführung des Formats entscheiden.

In punkto Nebengeschäfte gibt sich die "Welt am Sonntag" weiter zurückhaltend. Angedacht ist eine Buchedition mit Hellmuth Karassek als Herausgeber. Details sind noch unklar. "Wir machen das nur, wenn es Geld bringt", so Keese. pap

Das ausführliche Interview in HORIZONT 31/2005 vom 4. August 2005

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