"Welt Online": Springer zieht die Paywall hoch

Freitag, 19. Oktober 2012
"Wir verteidigen den Journalismus": Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner
"Wir verteidigen den Journalismus": Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner


Springer-Chef Mathias Döpfner will kein Freibier mehr ausschenken: "Wir wollen mit dem Online-Auftritt der 'Welt' bis zum Ende des Jahres startklar sein für die Umwandlung in ein Bezahlmodell", so Döpfner gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Im kommenden Jahr sollten die Online-Ableger weiterer Printtitel von Springer folgen. Mit dieser Maßnahme möchte der Medienkonzern im Digitalgeschäft noch schneller wachsen als bisher - so rechnet Döpfner damit, dass noch vor 2020 die Hälfte des Gesamtumsatzes in diesem Bereich erwirtschaftet wird.
Bisher machten digitale Geschäftsmodelle gut ein Drittel des Konzernumsatzes aus. Warum nun ist ausgerechnet jetzt der richtige Zeitpunkt für die Einführung von Bezahlschranken gekommen? Döpfner macht dies daran fest, dass es einen "wachsenden Konsens gibt, die Idee, dauerhaft Freibier auszuschenken, ad acta zu legen. Zudem sehe ich eine zunehmende Akzeptanz bei den Endverbrauchern, für Inhalte zu bezahlen, insofern diese Mehrwert bieten und der Bezahlvorgang einfach ist." Besonders mobile Endgeräte bieten für den Konzernlenker die Möglichkeit, "den Ursprungsfehler der Kostenloskultur zu beheben." Bisher bittet Springer seine Kunden bereits für Apps zu Kasse, zudem wird es ab der Saison 2013/14 bezahlpflichtige Highlight-Clips der Fußball-Bundesliga auf Bild.de zu sehen geben.

Als Vorbild für das bei der "Welt" geplante Bezahlmodell bezeichnet Döpfner die "New York Times", bei der einige Artikel kostenlos gelesen werden können, ehe man sich einloggen muss. Ob Springer mit einem derartigen Vorgehen hierzulande erfolgreich sein werde, könne er nicht garantieren, so Döpfner. "Aber ich bin heute zuversichtlicher als vor ein, zwei Jahren." Dabei wäre die "Welt" gar nicht das erste Springer-Medium mit Paywall: Auch bei der Online-Ausgabe des "Hamburger Abendblatts" muss der Leser für manche Artikel einen Obulus entrichten. Döpfner: "Wir verteidigen nicht die gedruckte Zeitung, wir verteidigen den Journalismus."

Die Wahrscheinlichkeit weiterer Investitionen in Print-Produkte hält Döpfner hingegen für "außerordentlich gering". Vielmehr möchte Springer offenbar im Rubrikengeschäft weiter wachsen: Nach der Übernahme der britischen Totaljobs-Gruppe für umgerechnet 132 Millionen Euro solle es weitere Zukäufe geben, "ungefähr in dieser Dimension". Bislang hält der Konzern die Rubrikenportale Seloger, Immonet und Stepstone in einem gemeinsamen Joint Venture mit dem US-Finanzinvestor Gerenal Atlantic. ire
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