"Welt"-Chefredakteur Peters bekräftigt Wallraff-Berichterstattung

Donnerstag, 26. April 2012
Peters will weiter über "Wallraffs Geheimdienst-Verstrickungen" berichten
Peters will weiter über "Wallraffs Geheimdienst-Verstrickungen" berichten

Jan-Eric Peters, Chefredakteur von Axel Springers "Welt"-Gruppe wehrt sich gegen den Vorwurf, Springer fahre im Fall Günter Wallraff reflexartige Angriffe. Am Wochenende hatte die "Welt am Sonntag" über eine Stasi-Tätigkeit Wallraffs berichtet. Im Interview mit der "Zeit" heute versucht der Autor die Vorwürfe zu entkräften. Peters stellt sich jedoch hinter den Wallraff-Artikel und die Darstellung seines Blattes. HORIZONT.NET veröffentlicht Peters Stellungnahme im Wortlaut:

"Mich erstaunt, dass einige Medien bei jeder kritischen Wallraff-Berichterstattung reflexartig von ‚Springer-Angriffen' sprechen, statt sich mal mit den unbestrittenen Fakten zu beschäftigen. Günter Wallraff ist in den Akten der Stasi über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren bis zum Fall der Mauer als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) verzeichnet. Nach Aktenlage hat er konspirativ mit dem DDR-Geheimdienst zusammengearbeitet.

Die neuen, jetzt erstmals von der Stasi-Unterlagenbehörde an Journalisten herausgegebenen Dokumente, über die wir in der ,Welt am Sonntag' berichtet haben, zeigen außerdem eindeutig, dass ein enger Mitarbeiter Wallraffs ebenfalls als IM der Stasi erfasst war. Faktisch belegt ist auch, dass dieser Mann an Wallraffs Bestseller ‚Ganz unten' mitgewirkt, laut Akten sogar einige Kapitel des Buches geschrieben hat.

Diese Tatsachen und Zusammenhänge sind neu, und wir haben sie in der ,Welt am Sonntag' als erstes Medium veröffentlicht, nachdem wir schon 2003 als erste Redaktion die Stasi-Erfassung Wallraffs in den sogenannten ‚Rosenholz'-Dateien recherchiert hatten. Natürlich bleiben wir an dem Fall dran, denn Wallraffs Geheimdienst-Verstrickungen sind von öffentlichem Interesse. Das Interview der ‚Zeit' mit Wallraff heute zeigt ja sehr schön, dass wir mit unserer Berichterstattung so falsch nicht liegen können." 
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