Weimer plant weitere Änderungen beim "Focus"

Mittwoch, 30. Juni 2010
Weimer verordnet Focus nicht nur Fakten, sondern auch Relevanz
Weimer verordnet Focus nicht nur Fakten, sondern auch Relevanz

Zwar haben "Focus"-Herausgeber und Gründer Helmut Markwort und Chefredakteur Uli Baur das Blatt bereits einer Schönheitskur unterzogen. Wolfram Weimer, ab 1. Juli ebenfalls Chefredakteur von "Focus" und der neue starke Mann, läßt sich davon jedoch nicht entmutigen und plant ebenfalls deutliche Veränderungen für das Nachrichtenmagazin. "Focus" soll zu einer deutlich vernehmbaren Stimme im politischen Journalismus werden und sich klar gegen den "Spiegel" positionieren, den Weimer als "links-liberale Stimme aus Hamburg" bezeichnet. Dem will er die "andere bürgerliche Stimme" entgegensetzen, sagt der Ex-"Cicero"-Chefredakteur im Interview mit der "Frankfurter Rundschau". Weimer: "Es gibt in vielen Debatten die Sehnsucht nach der bürgerlichen Stimme der Vernunft. Die wollen wir erfüllen - nicht nur in der Debatte, sondern auch in den Themen."

Der Redaktion, die in den vergangenen Jahren vor allem die Ausrichtung zum Ratgeber-Blatt mitgetragen hat, traut er die Umorientierung durchaus zu. "Ich habe den Eindruck, dass ihr die neue Form des Orientierungs-Journalismus hoch willkommen ist", sagt Weimer der "FR". Er hatte die neue Linie gegenüber der Redaktion bereits vergangene Woche auf einer vorgezogenen Antrittsrede in München vorgestellt. Statt Markworts Schlachtruf "Fakten, Fakten, Fakten" heißt es bei Weimer nun "Relevanz, Relevanz, Relevanz". Neben der politischen Ausrichtung sollen sich aber auch Heftdramaturgie und Erscheinungsbild des erst im Januar relaunchten "Focus" ändern.

Zudem will Weimer die Kompetenz durch Kooperationen stärken und "internationale strategische Partnerschaften eingehen, aus denen wir publizistischen Gewinn ziehen und mit denen wir den Markt überraschen können", sagt er. Die "FR" spekuliert, dass es sich dabei um den "Economist" handeln könnte.

Der Werbemarkt wartet gespannt darauf, inwieweit es Weimer gelingen kann, den angeschlagenen "Focus" zu drehen. Seit Jahren verliert das Blatt an Auflage. Im 1. Quartal 2010 verkaufte der Titel nach massiven Auflagenbereinigungen nur noch 587.582 Exemplare. Vor fünf Jahren waren es noch 779.866. Der Auflagenrückgang dürfte sich perspektivisch bei Burdas wichtigster Cash-Cow auch in den Werbeumsätzen widerspiegeln. pap
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