Webradio: Erfolgreich in der Nische

Donnerstag, 06. September 2012
Immer mehr Menschen nutzen das Internet als Antenne
Immer mehr Menschen nutzen das Internet als Antenne

Das Internet hat die Verbreitung des Radios leise revolutioniert und um einen digitalen Verbreitungsweg erweitert. Vor allem Spartenangebote kommen bei Web-Radio-Hörern gut an. Allein in Deutschland zählt der Webradiomonitor der Bayerischen Landesmedienanstalt BLM rund 3000 Webradio-Sender, darunter 2500 Online-only-Sender, die ausschließlich über das Internet zu hören sind. Die Zahl der Livestreams von UKW-Sendern und deren Untermarken beläuft sich auf mehr als 500. Hinzu kommen die Streams ausländischer Webradios und die Abrufe von personalisierten Musikdiensten wie Spotify und Last.fm.

Trotz der Angebotsfülle haben es einige Webradios geschafft, im Netz eine Marke aufzubauen. Raute Musik zählt dazu. Das Aachener Unternehmen betreibt 17 Spartenprogramme für verschiedene Musikrichtungen und lässt sein Programm von der eigenen Community gestalten. „Wir haben über 350 regelmäßige Personalities in unseren 17 Sendern", sagt Geschäftsführer Timo Mauter. Und die heben sich mit ihrem spontanen Stil klar vom UKW-Moderator ab, „der seinen Job schon seit fünf Jahren nach demselben Konzept fährt", wie Mauter sagt. 

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Im Februar ist Norfom, ein Gemeinschaftsunternehmen der Oldenburger Nordwestzeitung (NWZ) und der Frank Otto Medien, bei Raute eingestiegen. Mit Unterstützung des Investors konnte das Webradio seine Plattform überarbeiten und erwägt nun, ins Ausland zu expandieren.

Die Abgrenzung zu UKW prägt auch den Auftritt von Technobase.fm. „Wir sind ein Nischenprogramm und wollen bewusst keinen Mainstream bieten", sagt Geschäftsführer Stefan Ulber. Mit der Special-Interest-Strategie hat sich der Anbieter aus Moers bei den Freunden der elektronischen Musik einen Namen gemacht. Mit der Marke im Rücken konnte Ulber ergänzende Geschäftsfelder aufbauen: Technobase verfügt unter anderem über eine eigene Textildruckerei, ein Ticketsystem für Diskotheken und eine DJ-Booking-Agentur. Eine andere Umsatzquelle sind Events - diese Zusatzgeschäftte ermöglichen Ulber das Überleben, die Werbeeinnahmen allein würden nicht reichen. Aktuell kämpft seine Sendergruppe mit einigen Problemen: Die Nutzung von Technobase sinkt, weil die Musikrichtung Anhänger verliert. Ulber hat reagiert und sein Spartenangebot Housetime.fm ausgebaut, das sich in musikalisch attraktiveren Märkten bewegt. Das Minus bei Displaywerbung kann er durch steigende Erlöse aus der Audiowerbung ausgleichen.  Für die nahe Zukunft hat der Technobase-Chef noch einiges vor: Die Internationalisierung vorantreiben, sobald sich ein strategischer Investor findet. gui
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