Web.de-Vorstände Greve und Ehrlich wechseln zu 1&1

Donnerstag, 17. März 2005

Die Übernahme des Web.de-Portalgeschäfts durch United Internet hat auch personelle Konsequenzen. Mathias Greve, Vorstandsvorsitzender von Web.de, und Media-Chef Mathias Ehrlich werden als Vorstände zu der United-Internet-Tochter 1&1 wechseln, bei der das Portal von Web.de angesiedelt wird. Greve wird dort künftig für das Geschäftsfeld Portal zuständig sein, Ehrlich für den Bereich Media-Sales.

United Internet wird nach der Übernahme im Endkunden-Portalgeschäft eine Drei-Marken-Strategie fahren. "Die Portale Web.de, 1&1 und GMX werden getrennt weitergeführt und inhaltlich auf die verschiedenen Zielgruppen zugeschnitten", sagt United-Internet-Chef Ralph Dommermuth, der sich von der Übernahme vor allem Impulse für das Geschäft mit der Werbevermarktung verspricht. "Wer Onlinewerbung in Deutschland machen will, kommt an der künftigen Nummer Eins United Internet nicht vorbei". Zudem hofft Dommermuth, die Web.de-Nutzer als Kunden für die DSL-Zugänge des Unternehmens zu gewinnen.

Der Abschied von Web.de-Gründer Greve kommt zwar überraschend, ist aber vor dem Hintergrund des Deals naheliegend. Greve hatte sich bei Web.de bereits seit Jahren um das Portalgeschäft gekümmert, das mit 42,3 Millionen Euro 2004 den Großteil des Gesamtumsatzes von 43 Millionen Euro ausmachte.

Michael Greve, der wie sein Bruder Mathias dem Web.de-Vorstand angehört, wird bei der jetzigen Web.de AG verbleiben, die sich in Zukunft ausschließlich auf die Internet-Telefonie konzentrieren will. Das Unternehmen, bei dem zum Start noch etwa 70 der derzeit 450 Mitarbeiter verbleiben werden, will in Kürze ein neues Produkt auf den Markt bringen, das einen technischen Standard für die Integration verschiedenster Telekommunikations- und Internet-Kommunikationsformen und Endgeräte bieten soll.

Dieses soll weltweit über Partnerunternehmen - in Deutschland etwa United Internet - vertrieben werden. "Diese werden auch die Vermarktung des Produkts sowie die zum weltweiten Produktlaunch geplanten Werbe- und Marketingmaßnahmen übernehmen", so Greve gegenüber HORIZONT.NET.

Ziel sei es, zum Weltmarktführer für Internet-Telefonie zu werden. "Der Markt bietet ein enormes Potenzial", sagt Greve, der allerdings eingesteht, dass die jetzige Web.de AG wieder bei Null anfangen muss. "Web.de verwandelt sich gerade wieder in ein Start-up, aber ein außergewöhnlich gut finanziertes." Allein über den Verkauf des Portalgeschäfts erhält das Unternehmen ein Finanzpolster von 330 Millionen Euro. Hinzu kommen liquide Mittel in Höhe von 107 Millionen Euro. "Mit einem solchen finanziellen Polster ist der globale Rollout gesichert", so Greve.

Während die Portal-Marke Web.de bei United Internet fortgeführt wird, wird die Unternehmensmarke Web.de verschwinden. Laut Greve wird die jetzige Web.de AG den Namen des neuen Produktes annehmen. mas
Meist gelesen
stats