Web-TV: Werbeumsätze werden sich bis 2015 vervierfachen

Freitag, 15. Oktober 2010
Das Beratungsunternehmen hat "Web-TV-Monitor 2010" vorgelegt
Das Beratungsunternehmen hat "Web-TV-Monitor 2010" vorgelegt

Goldmedia bescheinigt dem Web-TV-Markt großes Wachstumspotenzial. Laut der Prognose des Medienberatungsunternehmens wird die Nutzung jedes Jahr um rund 20 Prozent steigen. Demnach wird die Zahl der Abrufe pro Tag von derzeit 150 Millionen auf 388 Millionen im Jahr 2015 wachsen. Monatlich wären das 12 Milliarden Abrufe. Dies geht aus der Studie "Web-TV-Monitor 2010" hervor, die Goldmedia im Auftrag der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) durchgeführt und im Rahmen der Medientage München präsentiert hat. Die Analyse basiert auf einer Befragung aller 1300 deutschen Web-TV-Anbieter, die im September 2010 durchgeführt wurde. Andere Experten gehen sogar noch von einem deutlich größeren Markt aus. "Social Media werden in der Studie völlig ausgeklammert. Dabei machen soziale Netzwerke inzwischen rund 50 Prozent des gesamten Internet-Traffics aus und gerade hier spielt Video eine große Rolle", kritisiert Axel Schmiegelow, Geschäftsführer der Video-Plattform Sevenload, das Ergebnis. Unterstützung bekommt er von Jean-Pierre Fumagalli. Wie der Vorstand des Bewegtbild-Vermarkters Smartclip ankündigt, wird sein Unternehmen demnächst Videos auf Facebook vermarkten.

In der Monetarisierung hapert es im Bereich Web-TV offenbar noch. Wie die Untersuchung von Goldmedia zeigt, sind zwar 53 Prozent der Anbieter mit den Abrufzahlen auf ihren Angeboten zufrieden, aber nur 25 Prozent äußern sich positiv zu ihrer Rentabilität. Da 96 Prozent aller Angebote kostenlos sind, ist die Werbevermarktung das zentrale Geschäftsmodell. Laut Klaus Goldhammer, Geschäftsführer von Goldmedia, werden in diesem Jahr voraussichtlich 80 Millionen Euro Nettowerbeumsätze in diesem Segment erwirtschaftet. Auch hier prognostiziert er einen starken Anstieg. Im Jahr 2015 rechnet er mit einem Werbevolumen von knapp 350 Millionen Euro. Dies sei zwar weniger als ein zehntel des deutschen Fernsehmarktes, aber Hybrid-TV werde in der Studie gar nicht berücksichtigt, was den Markt noch deutlich beflügeln könnte.

Derzeit liegt der TKP bei durchschnittlich 21 Euro - also etwa doppelt so hoch wie im klassischen TV-Geschäft. Dies ist laut Schmiegelow vor allem auf die bessere Werbewirkung wie zum Beispiel in Form hoher Klickraten zurückzuführen. Außerdem seien die Streuverluste aufgrund von Targetinglösungen deutlich niedriger. Ein Grund ist aber sicherlich auch, dass die Nachfrage derzeit noch deutlich höher ist als das Angebot. Wie die meisten Online-Vermarkter berichten, ist ihr Bewegtbildinventar komplett ausverkauft. Daher bleibt abzuwarten, wie sich das wachsende Angebot auf die TKPs in den kommenden Jahren auswirken wird.

Die dominierende Video-Werbeform sind mit knapp 73 Prozent Pre-Roll-Spots, das heißt Werbeclips, die vor dem Abspielen des eigentlichen Videos gezeigt werden. Mid-Roll-Spots spielen mit 16,5 Prozent eine weitaus geringere Rolle, genauso wie Post-Roll-Spot mit 10,7 Prozent. Überraschend ist, welche Inhalte am häufigsten von den Veranstaltern angeboten werden. Demnach spielt Unterhaltung mit 55 Prozent im nonfiktionalen Bereich und 30 Prozent im fiktionalen Bereich eine eher geringere Bedeutung. Am häufigsten werden Videos mit aktuellen Informationen (83 Prozent) sowie Angebote mit Service-Charakter (65 Prozent) publiziert. Auch im Web spiegelt sich die klassische Fernseh-Primetime wider. So erfolgt 40 Prozent der Web-TV-Nutzung nach 18 Uhr. Die komplette Studie steht auf der Website zum Download bereit. bn

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