Web-Marken drängen in die Offline-Welt

Donnerstag, 22. Februar 2001

Immer mehr Online-Marken schaffen sich über Filialen, Kataloge und Printtitel ein zweites Standbein in der Offline-Welt. Hintergrund: Es müssen mehr Kunden erreicht werden, um endlich in die schwarzen Zahlen zu kommen – also auch die Internet-Abstinenzler. Besonders E-Commerce-Anbieter planen Multichannel-Strategien: "Am Ende des Tages sind wir weder ein On- noch ein Offline-Anbieter, sondern ein Handelsunternehmen", erklärt Rüdiger Spohrer, Vice-President Marketing beim Wellness-Onlineshop Vitago. Deshalb gibt Vitago nun auch einen Katalog heraus – eine Strategie, mit der auch Amazon im Weihnachtsgeschäft experimentiert hat. Andere setzen gleich auf stationäre Filialen, etwa der Online-Kosmetikshop Beautyspy, der gerade ein Outlet in München eröffnet hat.

Auch die Online-Broker flirten mit Offline-Präsenzen: Die Direktanlagebank unterhält bereits zwölf Servicecenter in Deutschland, im Sommer will auch Konkurrent Comdirect mit einer Beratungsfiliale in Hamburg starten. "Wenn das gut läuft", werden wir bis zum Jahre 2003 rund 50 bis 60 Shops haben", so Comdirect-Sprecher Mathias Hajek.

Bewegung könnte auch ins Printsegment kommen: Der Home & Garden-Anbieter Myparadise erwägt, bis zum Jahresende mit einem Heft am Kiosk zu sein. Für Yahoo Deutschland ist eine deutsche Version von "Yahoo! Internet Life", des Printtitels der US-Mutter, vorstellbar. Die Online-Jobbörse Jobpilot.de fährt ohnehin bereits zweigleisig.

Die New Economy ist beim Multichannel-Thema im Zugzwang: Immer konsequenter vernetzen klassische Unternehmen wie Bertelsmann ihre On- und Offline-Aktivitäten. Jüngstes Beispiel: Primus-Online. Die Internet-Tochter der Metro gibt nicht nur Kataloge heraus, sondern hat mit JPC gerade ein Musikversandhaus übernommen, das seine Kunden über Filialen, Kataloge und das Internet anspricht. Mehr zum Thema in der aktuellen Printausgabe von HORIZONT.

Meist gelesen
stats