WeTab: Wie das Ungeschick des Firmenchefs eine junge Marke ruiniert

Dienstag, 05. Oktober 2010

Ist es zum Heulen, Haareausraufen oder Kopfschütteln? WeTab-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen formuliert auf Amazon unter falschem Namen zwei hymnische Lobhudeleien auf den von ihm entwickelten Tablet-PC, wird von einem Blogger erwischt und lässt schließlich „bis auf weiteres" seinen Posten als Geschäftsführer der WeTab GmbH ruhen. Dem erschütterten Beobachter stellt sich die Frage: Wie doof darf/kann man als Chef eines ehrgeizigen Internetprojekts eigentlich sein, ohne geschäftsschädigend zu agieren? Das WeTab war angetreten als „deutsche Antwort" auf die Übermacht von Apples iPad. Nun ist die Blödheit des Firmenbosses schuld am möglichen Tod der jungen Marke. Ob Herrn von Ankershoffen klar ist, dass er nicht nur für sich, sondern als Firmenchef auch für seine Mitarbeiter verantwortlich ist? Man darf es bezweifeln.

HORIZONT und HORIZONT.NET haben die Idee einer deutschen iPad-Alternative - zu Beginn noch unter dem Markennamen WePad lanciert - anfänglich mit großer Sympathie begleitet. Wer mit Helmut Hoffer von Ankershoffen telefonierte, gewann zwar schnell den Eindruck: Der Mann hat eigentlich keine Zeit, zu telefonieren. Ein Termin jagt den nächsten. Doch das kann, wenn man den Marktstart einer Killerapplikation made in Germany vorantreiben will, gar nicht anders sein. ist. Entsprechend selbstbewusst kam Ankershoffen rüber - um dann nach dem ersten peinlichen Fauxpas im April vom realen Gesprächspartner zum virtuellen Facebook-Kommentator abzutauchen. Die Kommunikation nach außen übernahm eine in der Regel schmallippige PR-Abteilung. Die Facebook-Seite der WeTab-Macher war Plattform eines Diskurses, der den überforderten WeTab-Leuten aus dem Ruder lief. Dass aus dem WePad ein WeTab wird, erfuhren Fans und interessierte Beobachter zuerst in einer beiläufigen Info auf Facebook. Nix gegen Facebook - aber Öffentlichkeits- und Pressearbeit sieht anders aus. In den 90er Jahren hatte Technikgenie Ankershoffen die technische Plattform für die Gruner + Jahr-Suchmaschine Fireball geliefert. Entsprechend hoch waren die Erwartungen hinsichtlich technischer Features an das WeTab. Doch bei der Erstpräsentation bekamen die Journalisten statt eines funktionierenden Tablet-Geräts einen Video-Dummy serviert. Die Empörung war entsprechend groß, die ersten Verdachtsmomente kamen auf: Kommt da möglicherweise ein Unternehmen mit allzu großer Klappe und wenig dahinter? Zumal  geschummelt wurde: Dass bei der Präsentation ein Video lief, entdeckte erst ein aufmerksamer Gast der Pressekonferenz. Und auch hier dauerte es, bis Neofonie/Ankershoffen zugaben, notgeschummelt zu haben. Nach dem jüngsten Vorfall kann man sich fragen: Hat das Berliner Unternehmen das Heiße-Luft-Produzieren und Faken zum Prinzip erkoren? Offensichtlich - dumm nur, wenn man sich dabei erwischen lässt.

Wie man es dreht oder wendet: Bei dem Versuch, ein Tablet zu entwickeln, hat sich der ehrgeizige Ankershoffen gründlich verhoben. Er mag ein guter Techniker sein, ein Mann, der eine Marke entwickeln und kommunizieren kann, ist er nicht. Doch was wird jetzt aus dem WeTab, was wird jetzt aus Herrn von Ankershoffen? Nach dem Launch waren die Kritiker zumeist enttäuscht von den Features des Geräts. Und den Verkaufserfolg dürfte Ankershoffen mit seiner jüngsten Aktion nicht gerade befördert haben. Sein Amt als Geschäftsführer der WeTab GmbH lässt er derzeit ruhen, Chef der Muttergesellschaft Neofonie bleibt er. Warum eigentlich? vs
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