Warum sich Vox mit der neuen "X Factor"-Jury keinen Gefallen tut

Donnerstag, 29. März 2012
Baxxter, Nasic, Connor, Pelham (v.l.; Foto: VOX, M.Kuhn, priv., M.Bothor, K.Kuhl/Montage:G.Lange)
Baxxter, Nasic, Connor, Pelham (v.l.; Foto: VOX, M.Kuhn, priv., M.Bothor, K.Kuhl/Montage:G.Lange)


Nachdem Till Brönner und Das Bo sich aus der Jury von "X Factor" verabschiedet haben, steht nun die Neubesetzung für die dritte Staffel der Castingshow fest: Neben Sarah Connor, die seit der ersten Folge dabei ist, besteht die Jury aus Scooter-Frontmann H. P. Baxxter, Rapper und Produzent Moses Pelham und Guano-Apes-Sängerin Sandra Nasic. Doch mit dieser Mischung läuft Vox Gefahr, in den Mainstream abzurutschen.
Dass erstmals vier Personen in der "X Factor"-Jury sitzen, hat mit einer Änderung im Sendekonzept zu tun. Neben Solokünstlern unter beziehungsweise über 25 Jahren und Gruppen können sich erstmals auch Bands bewerben. Die Juroren entscheiden wie in den bisherigen Staffeln nicht nur darüber, wer eine Runde weiter kommt, sondern wirken auch als Mentoren der Kandidaten - jedem Juror wird dabei eine Kategorie zugeordnet. Moderator der Sendung bleibt weiterhin Jochen Schropp.

Die neue Jury-Zusammenstellung und die Erweiterung der Kategorien ist vermutlich ein Versuch von Vox, die Quoten zu verbessern. Denn bereits die zweite Staffel fiel sowohl beim Gesamtpublikum als auch in der jungen Zielgruppe deutlich schwächer aus als der Auftakt: Durchschnittlich kam "X Factor" bei der zweitel Staffel auf 6,5 beziehungsweise 10,2 Prozent, während Staffel Eins noch 7,6 beziehungsweise 12,9 Prozent erreichte. Sicherlich: Damit liegt Vox noch deutlich über Senderschnitt (2011: 5,6/7,3 Prozent). Aber die hohen Produktionskosten müssen dennoch wieder reingeholt werden, weshalb der Sender nicht wirklich zufrieden mit dieser Entwicklung sein kann.

Ein erster Blick auf die neue Jury lässt allerdings Zweifel daran aufkommen, ob die Seriosität und Qualität, mit der sich "X Factor" immer angenehm von anderen Castingshows abgesetzt hat - und das noch, bevor Sat 1 und Pro Sieben mit "The Voice of Germany durchstarteten - so gewahrt werden kann. H. P. Baxxter gilt trotz des kommerziellen Erfolgs von Scooter ("Hyper Hyper") nicht gerade als Übermusiker (manche behaupten gar, jedes Scooter-Lied klinge gleich), viele halten ihn für unsympathisch. Auch Sandra Nasics Band Guano Apes, die 2011 nach acht Jahren wieder ein Nummer-Eins-Album auf den Markt gebracht hat, kann unbestritten Erfolge vorweisen. Mit ihrer Rock-Attitüde dürfte sich Nasic jedoch vor allem als Mentorin für die Bands eignen, als Mutterfigur für 16-jährige Nachwuchssänger hingegen kann man sie sich nur schwer vorstellen.

Einzig Moses Pelham, der sich als Produzent für Xavier Naidoo, Sabrina Setlur und Cassandra Steen einen Namen gemacht hat, könnte ein wahrer Glücksgriff sein: In den 1990ern beeinflussten das Rödelheimer Hartreim Projekt die deutsche Rap-Szene maßgeblich, sein Label 3p ist seit Jahren erfolgreich. Eine musikalische Kompetenz, und das auch jenseits von Rap und Hip Hop, ist ihm also nicht abzusprechen. Auch deshalb ist er wohl der einzige, der von Sarah Connor in der Vox-Pressemitteilung ausdrücklich erwähnt wird: Von ihm erhofft sich Connor "Verstärkung bei der musikalischen Entwicklung der Künstler, die sich bei uns bewerben". Das klingt, als ob auch sie den anderen beiden nicht sehr viel zutraue.

Bisher sorgte die Tatsache, dass neben Erfolgssängerin Connor auch Jazzmusiker Till Brönner sowie Produzent George Glück (Staffel eins) beziehungsweise Rapper Das Bo (Staffel zwei) in der Jury saßen, für eine gelungene Mischung. Nun hat sich Vox für drei Musiker entschieden, die die Chartspitze kennen und die Genres Techno, Rock und Pop abdecken, dazu kommt Produzent Pelham. Doch durch die extreme Massentauglichkeit der Musiker, die wohl vor allem junge Zuschauer ansprechen soll, läuft "X Factor" Gefahr, in den totalen Mainstream abzurutschen und so die Zuschauer zu vertreiben, die das bisher eher seriöse Konzept geschätzt haben. Ob das der richtige Weg zu mehr Quote ist? Es darf bezweifelt werden. sw
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