Warum die "Verschwörung gegen Apple" gut für die Medien ist

Dienstag, 16. Februar 2010
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Wenn es um Paid Content geht, sind deutsche Verlage Papiertiger - in der Theorie und der PR stark, in der Umsetzung des hehren Ziels aber ziemlich schwach. Nicht zuletzt deshalb, weil außer allgemeinen Verlautbarungen keine gemeinsame Strategie zu erkennen ist. Wie eine Einheitsfront gegen einen vermeintlich übermächtigen Konkurrenten aussehen könnte, das machen jetzt 24 Telekommunikationskonzerne vor. Deutsche Telekom, Telefónica und Verizon Wireless sind in ihrem Stammgeschäft harte Wettbewerber. Beim Thema Apple sehen sie gemeinsam rot (selbst wenn sie Exklusivverträge zum Vertrieb des iPhones haben), berichtet die "FTD": Ein offener Standard soll ermöglichen, dass einmal entwickelte Apps künftig auf unterschiedlichen Betriebssystemen laufen. Apple ist ausdrücklich aufgefordert, sich der Initiative anzuschließen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Steve Jobs auf den Zug aufspringt, ist eher gering: Apple ist ein geschlossenes System, das Kreativität (und Apps sind Resultate kreativer Prozesse) nur innerhalb des eigenen proprietären Systems erlaubt. Für die Entwickler von Apps - und ein Gutteil professionell erstellter Zusatzprogramme für das Handy werden künftig von Medienseite aus gelauncht - wäre ein offener Standard ein Segen. Zwischen 20.000 und 50.000 Euro kostet die Entwicklung einer qualitativ hochwertigen App fürs iPhone. Das ist eine Menge Geld für eine Anwendung, die sich nur in seltenen Fällen, und dann auch nur langfristig, refinanzieren lässt und nur auf einem einzigen, wenngleich besonders schick-hippen Mobile Phone läuft.

Könnte man mit einer App auf allen Smartphones präsent sein, hätten Verlage nicht nur ziemlich viel Geld gespart, sondern gleich viel bessere Chancen auf Vermarktung von Werbeplätzen und die Durchsetzung von Paid Content.  Wenn die Zeitschriften- und Zeitungsverleger schon keinen gemeinsamen Pakt gegen die vermeintlich übermächtigen Apple und Google dieser Welt zustande bekommen - vielleicht sollten sie im Huckepack-Verfahren sich der Einheitsfront der Telekommunikationsgiganten anschließen. vs
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