Warum die RTL-Dschungelshow wieder die Massen vor den Fernseher locken wird

Freitag, 13. Januar 2012
Für diese elf Promis heißt es ab heute: "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus"
Für diese elf Promis heißt es ab heute: "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus"


Heute Abend startet die neue Staffel der RTL-Dschungelshow „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus". Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Zuschauerzahlen auch dieses Mal wieder Spitzenwerte erreichen werden und die Show zwei Wochen die Schlagzeilen der Boulevardpresse beherrschen werden. Doch warum üben elf Promis, die im australischen Busch sitzen und sich albernen Prüfungen unterziehen müssen, eigentlich eine solche Faszination auf uns aus? Ein Erklärungsversuch.

Der Doku-Soap-Effekt
oder: Das Leben der Anderen

Warum schalten Woche für Woche Millionen Zuschauer Formate wie "Daniela Katzenberger - natürlich blond", "Die Geissens" oder "Frauentausch" ein? Der Reiz von Doku-Soaps besteht darin, einen Einblick in die Lebenswelt anderer Menschen zu bekommen, die einem sonst verschlossen bleiben.

Eines der zentralen Merkmale von Doku-Soaps ist die Beobachtung von Menschen in außergewöhnlichen Situationen. Und was könnte außergewöhnlicher sein als elf Promis, die zwei Wochen lang auf engsten Raum und ohne jeglichen Komfort im Urwald campieren müssen? Genau genommen ist "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus", nichts anderes als eine Doku-Soap unter Extrembedingungen. Dass die Protagonisten in diesem Fall keine biederen Hausfrauen, Landwirte oder Messies sind, erhöht nur die Fallhöhe der Teilnehmer - und damit natürlich auch den Reiz der Dschungelshow.

Der Kriegsfilm-Effekt
oder: Wie verhalten sich Menschen in Extremsituationen?

Allerdings geht "Ich bin ein Star" noch einen großen Schritt weiter als herkömmliche Doku-Soaps. Zwar werden auch in anderen Formaten Menschen in außergewöhnlichen Situationen begleitet - siehe zum Beispiel "Frauentausch" oder die in letzter Zeit so beliebten Messie-Soaps. Doch hat bislang kaum eine Sendung das Prinzip derart auf die Spitze getrieben wie das Dschungelcamp.

Das Setting inmitten des australischen Dschungels stellt für die Teilnehmer eine permanente Extremsituation dar: Klimatisch, hygienisch, sozial. Die völlige Isolierung unter Extrembedingungen im Urwald führt dazu, dass alle Kandidaten innerhalb von kürzester Zeit völlig auf sich selbst zurückgeworfen werden, unabhängig von ihrem  sozialen Stand in der realen Welt. Im Dschungel geht es quasi um die nackte Existenz. Damit entfaltet das Dschungelcamp teilweise die eigentümliche Faszination, die Kriegsfilmen zu Eigen ist: Wie verhalten sich Menschen unter Extrembedingungen? Wer ist sich selbst der Nächste und wird im Dschungel zum Raubtier, wer beweist auch im Urwald wahre Größe und wird am Ende zum Dschungelkönig gekrönt?

Der Jahrmarkt-Effekt
oder: Die seltsame Faszination menschlicher Monstrositäten

Früher wurden auf dem Jahrmarkt Zwerge und Riesen, Menschen aus exotischen Ländern und vermeintliche Monster zur Schau gestellt. Heute müssen Promis mit dieser undankbaren Rolle leben: Der Boulevard zerrt genüsslich die körperlichen und menschlichen Schwächen der vermeintlich Schönen und Reichen ans Licht. Und so ist es sicherlich kein Zufall, dass regelmäßig auch Kandidaten mit, sagen wir einmal besonderen körperlichen Vorzügen ins Dschungelcamp einziehen - zum Beispiel Schauspielerinnen, Models und ehemalige Sportler. Die unerträglichen Temperaturen im australischen Busch sorgen zuverlässig dafür, dass dem Zuschauer keine Falte, kein Silikonpolster, und kein Bauchansatz verborgen bleiben.

Dieses Mal dürften sich vor allem die männlichen Zuschauer auf die silikonbewehrten Kandidatinnen Brigitte Nielsen und Micaela Schäfer freuen. Nicht minder spannend: In welcher körperlichen Verfassung präsentiert sich Ex-Bundesliga-Profi Ailton und was trägt Magier Vincent Raven eigentlich unter seiner schwarzen Lederkutte? Am Freitag heißt es: Vorhang auf.


Der Faktor Schadenfreude
oder: Promis im Dreck

Nicht zu unterschätzen dürfte auch der Faktor Schadenfreude sein: Immerhin ziehen in der Regel keine Stars auf dem Zenit ihrer Karriere ins Dschungelcamp ein. Im Gegenteil - Für die meisten B- und C-Promis im Dschungel gilt: Sie sind nicht mehr die jüngsten und brauchen das Geld. Und so freut man sich zu Hause im gemütlichen Fernsehsessel doch hin und wieder klammheimlich, Promis mal nicht auf dem roten Teppich oder an Deck einer schicken Yacht zu sehen, sondern buchstäblich im Dreck.

Manch einer wird sich dabei vielleicht sogar denken: Geschieht denen doch ganz recht. Hochmut kommt vor dem Fall. Allerdings: Erst im Dschungel zeigt sich wahre Größe (siehe der Kriegsfilm-Effekt). Nicht umsonst wird der Sieger von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" am Ende zum "Dschungelkönig" gekrönt. dh
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