Warum die Dschungelshow 2012 bei RTL erstmals die Kasse klingeln lässt

Montag, 23. Januar 2012
2012 erstmals auch ökonomisch ein Erfolg: "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus"
2012 erstmals auch ökonomisch ein Erfolg: "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus"


In den vergangenen Jahren dürfte RTL-Chefin Anke Schäferkordt "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" stets mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgt haben: Die Marktanteile und die Publicity waren sensationell, die Vermarktung lief aber bislang zäh wie Schneckenschleim. Doch 2012 ist auf einmal alles anders: Die Werbeblöcke sind gut gefüllt, die Sonderwerbeformen waren sogar schon lange vor dem Start ausgebucht. "Es ist eine gewisse Normalisierung im Umgang mit dem Format eingetreten", sagt Matthias Dang, stellvertretender Geschäftsführer des Vermarkters IP Deutschland im Gespräch mit HORIZONT.NET. So konnte IP in diesem Jahr etwa doppelt so viele Werbeplätze im Umfeld der Dschungelshow verkaufen wie im Vorjahr. Die Sonderwerbeformen sind sogar komplett ausgebucht. "Das Dschungelcamp ist jetzt endlich dort anzukommen, wo es hingehört: Es ist einfach allerbeste Comedy", resümiert Dang.

Matthias Dang
Matthias Dang

"Die letzte Staffel hat das Eis gebrochen"

Rein subjektiv scheinen die Werbeblöcke von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus", wesentlich besser gefüllt zu sein als im Vorjahr. Was sagen die Zahlen?
Matthias Dang: Die harten Zahlen belegen, dass wir in etwa doppelt so viel Werbung haben wie im Vorjahr. Noch wichtiger für uns: Wir konnten bereits im Vorfeld sämtliche Sonderwerbeformen von Sponsorings bis hin zu Product Placement verkaufen. Gerade bei den Sonderwerbeformen binden sich die Kunden ja über den gesamten Ausstrahlungszeitraum an ein Format. Das zeigt, dass sich "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" inzwischen auch bei den Werbekunden etabliert hat. 

Aber ausgelastet sind die Werbeblöcke vermutlich noch immer nicht.
Wir haben zwei Werbeinseln pro Sendung angelegt, damit ist das Potenzial noch nicht ganz ausgeschöpft. Wir sind aber sehr happy mit der Nachfrage. Die letzte Staffel hat tatsächlich das Eis gebrochen. Direkt im Anschluss an die Ausstrahlung 2011 hatten wir schon die ersten Anfragen von Kunden für die Staffel 2012.

Reicht das, um die Sendung für RTL auch zu einem ökonomischen Erfolg zu machen?
Ganz sicher kann man sagen, dass der Beitrag, den die Werbung zum Ergebnis leistet, diesmal größer ist als in jeder der vorigen Staffeln.

Wie viel Überzeugungsarbeit war auf Kundenseite noch nötig?
Im Prinzip haben wir die Grundlagen schon in den Vorjahren gelegt. Wir haben uns Jahr für Jahr die Füße rund gelaufen und die Finger wund gewählt. "Ich bin ein Star" war für uns jedes Jahr wieder eine Herausforderung in der Vermarktung. Wir haben versucht den Kunden zu zeigen, dass die Sendung unter dem Aspekt Comedy ein hervorragendes Umfeld ist. Und seit dem vergangenen Jahr haben diese Bemühungen endlich gefruchtet.

Matthias Dang
Matthias Dang
Woher kommt die plötzliche Akzeptanz? Haben sich die Kunden einfach an das Dschungelcamp gewöhnt?
Es gibt drei Faktoren: Der erste Faktor ist natürlich die tolle Reichweite. Der zweite Punkt: Es ist eine gewisse Normalisierung im Umgang mit dem Format eingetreten. Und der dritte Faktor: "Ich bin ein Star" ist einfach gute Unterhaltung. Diejenigen, die den Erfolg des Dschungels noch immer auf die Prüfungen reduzieren, haben das Format vielleicht noch nicht ganz verstanden. Den eigentlichen Reiz macht doch aus, was zwischen den Promis abgeht. Es war interessant zu beobachten, wie ein internationales Format - übrigens nur in Deutschland - von vielen Fachleuten anfangs allen Ernstes in die Ecke von Menschenverachtung gestellt wurde, um jetzt endlich dort anzukommen, wo es hingehört: Es ist einfach allerbeste Comedy.

Es gibt aber sicherlich noch Kunden, die trotz aller Argumente noch immer nicht im Umfeld von Schneckenschleim und Schweinesperma werben wollen?
Ja, es gibt immer noch Kunden, die sagen "Nein, das will ich nicht". Da ist "Ich bin ein Star" aber kein Einzelfall. Wenn es nicht passt, dann passt es nicht. Wir haben ja genügend andere Umfelder zur Auswahl. Aber die Vorbehalte sind deutlich weniger geworden.

Gibt es denn Branchen, die um das Dschungelcamp immer noch einen großen Bogen machen?
Viel interessanter ist eigentlich, welche Branchen am stärksten vertreten sind: An der ersten Stelle steht interessanterweise der Bereich Ernährung, daran wäre bei der ersten Staffel nicht mal zu denken gewesen. Danach kommen Körperpflege und Telekommunikation.

TV-Vermarkter argumentieren in punkto Werbewirkung gerne mit dem emotionalen Involvement der Zuschauer. Ob Spannung oder Ekel ist also letztlich egal?
Die Sendung führt bei den Zuschauern zu einem extrem hohen Involvement, was zu einer höheren Aufnahmefähigkeit für die Werbebotschaft führt. Und das ist unabhängig vom Inhalt. Es gibt also keinen negativen Effekt, weil in der Dschungelprüfung eklige Sachen gegessen werden. Das ist ja auch nur ein Aspekt der Sendung. Im weitaus größeren Teil steht die Comedy im Vordergrund.

Wie wichtig war bei der Entscheidung über eine Neuauflage von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus?" denn das Votum von IP Deutschland?
Wir als Vermarkter haben bei der Diskussion über eine mögliche Neuauflage natürlich dafür votiert, auch aufgrund der hohen Nachfrage im Bereich Special Ads schon im Frühjahr. Wir haben daher deutlich mehr Umsatz als in den letzten Jahren erwartet. Das ist aber nur ein Mosaikstein. Die Entscheidung liegt ausschließlich bei RTL. dh
Meist gelesen
stats