Warum die Absage von Günther Jauch an "Wetten, dass ..?" keine Überraschung ist

Montag, 05. Dezember 2011
Günther Jauch inszenierte seine Absage an Thomas Gottschalk geschickt
Günther Jauch inszenierte seine Absage an Thomas Gottschalk geschickt
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Man hätte es vorher wissen können: Auch Günther Jauch will nicht in die Fußstapfen von Thomas Gottschalk treten. Eine große Überraschung war seine Absage indes nicht. Ein gleichzeitiges Engagement des beliebten Moderators bei ARD, ZDF und RTL wäre schlicht und einfach unmöglich gewesen. Die Art und Weise, wie Jauch seine Absage inszeniert hat, war vielmehr kühl kalkuliert und hat die Zuschauer an der Nase herumgeführt. Das muss man Günther Jauch lassen: Hinter dem unschuldigen Jungengesicht mit dem adretten Seitenscheitel verbirgt sich ein Vollprofi, der genau weiß, wie man Spannung aufbaut und die Zuschauer bei der Stange hält. Als Thomas Gottschalk seinen langjährigen Freund am Samstag in seiner letzten "Wetten, dass ..?"-Ausgabe wie erwartet seine Nachfolge antrug, gab sich Jauch nicht mit einem schnellen Nein zufrieden. Er wolle sich für seine Entscheidung 24 Stunden Zeit nehmen und noch einmal darüber schlafen, sagte Jauch. Und lud Gottschalk vor rund 15 Millionen Zuschauern zu seinem großen Jahresrückblick "2011! Menschen, Bilder, Emotionen" ein, wo er seine Entscheidung verkünden wollte. Ein perfekter Cliffhanger, den selbst der gewiefteste Programmplaner nicht besser hinbekommen hätte.

Die Ankündigung verfehlte ihre Wirkung nicht: 8,39 Millionen Zuschauer verfolgten am Sonntagabend den RTL-Jahresrückblick mit Günther Jauch. Die Entscheidung in Sachen "Wetten, dass ..?" zog sich dabei wie ein roter Faden durch die gesamte, fast dreieinhalb Stunden lange Sendung: Bereits zu Beginn der Sendung kündigte Jauch den Auftritt von Gottschalk an. Das alte Bühnen-Outfit von Gottschalk, ein blauer Anzug mit Leoparden-Stiefeletten, den Jauch als Wetteinsatz tragen sollte, war während der gesamten Sendung gut sichtbar im Bild.

Den Auftritt von Gottschalk hob sich Jauch natürlich ganz bis zum Schluss auf: Wer wissen wollte, ob Jauch der neue Gottschalk wird, musste bis zum Schluss der Sendung ausharren. Als Jauch dann nach einer Werbepause schließlich in dem blauen Ungetüm von Anzug auf die Bühne trat und bekannte, er fühle sich wie "Clown Dodo", nahm er seine Antwort eigentlich bereits vorweg. Die große Showbühne sei wohl selbst für ihn ein paar Nummern zu groß: "Ich glaube, dass ich das nicht kann", sagte Jauch kurz und knapp.

Jede andere Antwort hätte auch sehr überrascht. Schließlich ist Jauch erst seit September als neues Talkshow-Aushängeschild der ARD mit seiner Sendung "Günther Jauch" im Ersten auf Sendung. Ein schneller Wechsel zum ZDF wäre damit schlicht und einfach nicht möglich. Und auch RTL, wo Jauch demnächst die 1000. Ausgabe von "Wer wird Millionär?" moderiert, hätte wohl ein großes Problem damit gehabt, wenn Jauch künftig am Samstagabend gegen RTL-Shows wie "Das Supertalent" oder "Deutschland sucht den Superstar" antritt. War das Ganze also nur ein gut inszeniertes Drama, um die Einschaltquoten von "2011! Menschen, Bilder, Emotionen" in die Höhe zu treiben? Die Antwort darauf könnte wohl einzig und allein Günther Jauch geben. Was bleibt, ist allerdings ein unangehmer Beigeschmack und das Gefühl, als Zuschauer an der Nase herumgeführt worden zu sein. dh
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