Warum Vox gut daran tut, an "X Factor" festzuhalten

Mittwoch, 07. Dezember 2011
Das Siegerteam: Till Brönner mit seinem Schützling David Pfeffer
Das Siegerteam: Till Brönner mit seinem Schützling David Pfeffer


David Pfeffer ist der Sieger der zweiten Staffel von "X Factor": Mit 60,5 Prozent der Stimmen und der (leider etwas nichtssagenden) Single "I'm Here" wurde der 29-Jährige gestern abend zum Gewinner der Castingshow gekürt - und verhilft damit Juror Till Brönner zum zweiten Mal zum Platz an der Spitze, der bereits die erste Staffel mit seiner Kandidatin Edita Abdieski gewonnen hat. Damit stehen die beiden offensichtlichen Sieger von "X Factor" fest, doch auch Vox profitiert von dem Format - und tut gut daran, ihm festzuhalten. Zwar lag der Marktanteil der Castingshow in diesem Jahr durchwegs unter dem der ersten Staffel. Aber dennoch darf man nicht vergessen, dass es jede Folge über den Senderschnitt von 7,2 Prozent im November schaffte - und "X Factor" damit zu den Erfolgsformaten von Vox gehört. Und deshalb durfte Moderator Jochen Schropp zum Ende der Finalshow auch die Verlängerung bekannt geben: Es wird eine dritte Staffel geben.

Zwar haben sich die beiden Juroren Das Bo und Till Brönner noch offen gelassen, ob sie für die kommende Staffel erneut zur Verfügung stehen. Den Machern der Sendung wäre es jedenfalls zu raten, an der aktuellen Jury-Besetzung festzuhalten: Die mütterliche Sarah Connor, der cool-schnoddrige Rapper Das Bo und der Vollblutmusiker Till Brönner sind authentisch, ehrlich und ergänzen sich trotz - oder gerade wegen - ihrer kleinen Sticheleien perfekt. Schließlich konkurrieren auch die Juroren untereinander um den Sieg, und sind sich dennoch nicht zu schade, auch einmal Kandidaten zu loben, die nicht aus dem eigenen Stall kommen. Und auch Moderator Jochen Schropp leistet seinen Beitrag zur positiven Atmosphäre: Mit einer gesunden Portion Selbstironie führt er souverän durch die Sendung und ist so eine sympathische Konstante, ohne überdreht zu wirken.

Der größte Verdienst von "X Factor" liegt jedoch im Konzept: Im Gegensatz zu den Castingsendungen bei der großen Schwester RTL sucht man bei der Vox-Show vergebens nach Hohn, Spott und bösen Sprüchen. Stattdessen ist die Jury ehrlicher Ratgeber - und das selbst bei unmusikalischen Kandidaten, deren Auftritte für Dieter Bohlen nicht mehr als ein Grund zur Selbstdarstellung als zynischer, überlegener "Pop-Titan" wären. Da alle drei Juroren selbst im Musikbusiness erfolgreich sind, wissen sie, welche Künstler sich verkaufen lassen und welche nicht - so zählen letztlich Talent und Stimme statt Freak-Faktor. So hat selbst ein Pop-Klassik-Duo wie Nica & Joe die Chance, bis ins Finale vorzudringen, trotz der ungewöhnlichen Konstellation.

Mit "X Factor" ist es Vox gelungen, eine erwachsene Version von "Deutschland sucht den Superstar" zu etablieren, die mit Stimme und Charakter punktet und so auch Zuschauer jenseits der 20 begeistern kann - und das entgegen mancher Erwartungen für mehr als eine Staffel. sw
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